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Die Jungen des Monsieur Razgui

Es erinnert entfernt an den Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ – eine Dramatik um verlorene Kinderseelen. In ganz Deutschland suchen Kinder und minderjährige Jugendliche als Flüchtlinge eine neue Heimat, ein Zuhause in einem fremden Land.


Derzeit befinden sich fünf minderjährige Jungen in der City-WG Ahlen. Walid, ein Junge aus Marroko, kam zu Beginn des Jahres als erster in die Einrichtung. Die Herkunftsländer der vier weiteren Jugendlichen sind Syrien, Iran und Somalia. Sie verbindet keine gemeinsame Heimat aber die Herkunft aus einem Krisen- und Kriegsgebiet. „Es sind Kinder, die nicht nur alles, was Ihnen etwas bedeutete, sondern auch sich selbst verloren haben“, sagt Claudia Binkhoff, Bereichsleiterin in Warendorf.

Das konzeptionelle Drei-Phasen-Projekt der OUTLAW gGmbH „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ ist in die City WG Ahlen eingegliedert und im Januar 2015 gestartet. Nach §42 SGB VIII dürfen nur minderjährige Flüchtlinge in Obhut genommen werden. Die Vermittlung der Jugendlichen erfolgt durch das zuständige Jugendamt.

Im Rahmen dieser Maßnahme steht die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse nach Schutz und psychischer wie physischer Unversehrtheit im Vordergrund. Mit der Bestimmung eines gesetzlichen Vertreters endet die erste Phase der Inobhutnahme. Im Anschluss erfolgt das Clearing in Phase zwei, mit einer Dauer von drei bis vier Monaten. In dieser Zeit werden jugendhilferechtliche als auch ausländerrechtliche Perspektiven erarbeitet. Die individuelle und fürsorgliche Betreuung und Partizipation des einzelnen Jugendlichen stehen dabei im Vordergrund. Zur Perspektivklärung gehören in diesem Prozess unter anderem die Klärung familiärer und soziokultureller Hintergründe (dazu gehören neben Fragen zur Identität und Herkunft auch der Verbleib der Eltern und weiterer Familienangehöriger), die Klärung der emotionalen Situation der Jugendlichen aber auch die Frage nach möglichen traumatischen Belastungen sowie der Blick auf die persönlichen Ressourcen und die schulische Bildung. Von besonderer Bedeutung sind hier auch die Klärung der aufenthaltsrechtlichen Möglichkeiten.

In Phase drei erfolgt die Eingliederung in das bestehende Konzept der City-WG Ahlen. Erforderlich sind dabei in besonderem Maße Geduld sowie soziales, pädagogisches, psychologisches und linguales Engagement. Das Team um Khalihlana Razgui, der selbst aus Marokko stammt, besitzt persönliche Integrations- und Migrationserfahrungen und bringt diese in den Prozess ein. Es besteht aus vier SozialpädagogInnen und drei arabisch-sprechenden studentischen MitarbeiterInnen. Zusammen leisten sie wertvolle Hilfe, wie zum Beispiel Sprachunterricht, die gemeinsame Freizeitgestaltung oder die interne Übersetzungsarbeit.

„In meiner langen Erfahrung habe ich nie eine Arbeit mit einer Zielgruppe erlebt, die so emotional ist wie diese, die so viel emotionale und berührende Momente im Umgang mit den Jugendlichen beinhaltet und wo jeder von uns so viel Offenheit, Dankbarkeit und Respekt zurückbekommt“, fasst Claudia Binkhoff die Arbeit mit den Flüchtlingen zusammen
.

Das Ziel nach einem Jahr intensiver Betreuung ist, die Jungendlichen so gut vorzubereiten, dass sie ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung führen können. Ihnen soll der Zugang zu Beschäftigung, Bildung, Sozialhilfeleistungen, medizinischer Versorgung und zu Integrationsmaßnahmen ermöglicht und damit der erfolgreiche Weg zur Integration geebnet werden.

Die Arbeit mit den Flüchtlingen steht in Ahlen noch am Anfang, könnte aber nicht näher am Puls der Zeit sein und wird auch in Zukunft optimiert, um den  wechselnden Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen Flüchtlingen gerecht zu werden.