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"Jenseits der Stille": Gebärdensprachliche Kommunikation in der Kita Heerstraße


Wie lässt sich die interne Kommunikation im betrieblichen Alltag zwischen schwerhörigen und hörenden KollegInnen erleichtern? Das war die zentrale Fragestellung der Fortbildung "Gebärdensprachliche Kommunikation/Gebärden-unterstützte Kommunikation", die am 15. September 2015 in der Berliner Outlaw-Kita Heerstraße stattfand."

Da unsere Kollegin Linda Rohde-Schulz selbst betroffen ist, war der erste Wunsch unsere Hemmungen und Unsicherheiten abzubauen", erklärt Erzieherin Svenja Berlin. "Wir wollten Tipps und auch Gebärden für Sätze wie: Kann ich dir helfen? Soll ich dich ablösen?", erzählt Svenja Berlin weiter.

Veranstalter war der Integrationsfachdienst für hörbehinderte Menschen der Weißenseer Integrationsbetriebe GmbH (WIB). Zunächst gaben die ReferentInnen Claudia Busch und Andreas Bittner eine detaillierte Einführung in die Geschichte der Gebärdensprache, vermittelten Grundlagen zum Hörvorgang und gaben einen umfassenden Einblick die Einschränkungen des hörenden Sinnes. Zu den theoretischen Inhalten lieferten sie praktische Hörbeispiele, an denen die TeilnehmerInnen erkennen konnten, wie viel Konzentration beim Absehen von den Lippen und für eine Differenzierung der entsprechenden Laute erforderlich ist."

Die MitarbeiterInnen lernen durch die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik ihren Umgang mit schwerhörigen und gehörlosen Menschen langfristig zu sensibilisieren", sagt Kitaleiterin Simone Gerike. "Das Einfühlen in die Kommunikationssituation eines schwerhörigen Menschen schult das Miteinander und den gegenseitigen Perspektivwechsel", führt Simone Gerike weiter aus. Neben allen pädagogischen Fachkräften der Kita nahm auch Kita&More Bereichsleiterin Petra Kiefer an der Schulung teil.

Zudem  erhielten die TeilnehmerInnen wertvolle und leicht in den Kita-Alltag integrierbare Tipps:

  • Nie von hinten ansprechen, da das Richtungshören stark eingeschränkt ist.
  • Für die Erleichterung des Lippenabsehens (nur 30% der Laute sind vom Mund abzusehen): direkten Blickkontakt herstellen.
  • Das Gesagte durch natürliche Gesten, Gebärden, Mimik und Körpersprache unterstützen.
  • Information über das Thema des Gespräches voranstellen("Es geht um das Thema…").
  • Ruhige Umgebung schaffen, Hintergrundlärm vermeiden.
  • In normaler Lautstärke sprechen.
  • Verwendung von kurzen Sätzen.
  • Auf eine natürliche Sprachmelodie achten, d.h. nicht monoton sprechen; Stimme heben bei einer Frage.
  • Aussagen, die in einer Gruppe gemacht wurden, wiederholen. Dadurch sollen Gefühle wie Isolation und Ausgrenzung vermieden werden.

Das ganze Kita-Team bedankt sich bei den ReferentInnen des Integrationsfachdienstes und möchte bei ihrem Engagement die entspannte Atmosphäre, die zahlreichen Wortbeispiele und die abwechslungsreiche Veranschaulichung ausdrücklich als sehr positiv hervorheben.