Menü schliessen

Gelebte Integration: Schulung für Gastfamilien mit Mut, Herz und Engagement in Dresden


Kulturelle Unterschiede, psychische Belastungen und Umgang mit Konflikten: Diese Themen standen im Mittelpunkt des Workshops der Outlaw-Erziehungsstellen-Fachberatung in Dresden für Gastfamilien von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden. Im Auftrag des Jugendamtes Dresden lud Outlaw dazu Ende Januar und Anfang Februar insgesamt acht Gastfamilien zu einer Schulung an zwei Terminen zu je 4 Stunden in die regionale Geschäftsstelle ein.

"Interkulturelle Kompetenzen fallen nicht vom Himmel und Gastfamilien brauchen mehr, als nur ein großes Herz", unterstreicht dazu die Fachberaterin Simone Noack, die zusammen mit ihrem Kollegen Bernd Kilian die Schulung vorbereitete und durchführte. Gemeinsam mit vielen Experten und den Erfahrungen aus der Arbeit im Bereich der Outlaw-Erziehungsstellen stellten beide das Workshop-Programm zusammen. "Und das musste schnell gehen, denn die Kinder und Jugendlichen brauchen schnelle Hilfe", so Simone Noack.

Thematisch standen neben rechtlichen Fragen sowohl psychische Belastungen, als auch Traumata der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund. Als Experte referierte dazu Hamid Kosar, Psychologe bei den Hilfen zur Erziehung Dresden Neustadt und gebürtiger Iraner. Er vermittelte den Gastfamilien in verschiedenen Erfahrungsberichten die unterschiedlichen kulturellen und religiösen Vorstellungen der jungen MigrantInnen, Ess- und Einkaufsgewohnheiten und auch den Umgang mit Konflikten. Außerdem war Uwe Dathan, Erzieher in der Outlaw-Wohngruppe Schweriner Str. in Dresden eingeladen, der dort bereits junge afghanische Minderjährige betreut. Weitere Praxis-Beispiele ergänzten Rolf Knauthe vom Stoffwechsel e. V. und Vertreter des Kinder-und Jugendnotdienst 2 aus Dresden.

"Die Schulung ist die Voraussetzung dafür, dass Familien mit genug Platz und Zeit die jungen Menschen aufnehmen dürfen", erklärt der Fachberater Bernd Kilian. Gemeinsam führen die Fachberater das Bewerbungs- und Schulungsverfahren, führen Informations- und Bewerbungsgespräche durch und realisieren auch Hausbesuche. "Die Familien müssen wissen, worauf sie sich einlassen und ob sie der Verantwortung Stand halten können", hebt Bernd Kilian hervor. Erst nach Durchlauf des Verfahrens vermittelt das Jugendamt den direkten Kontakt zwischen den Familien und den minderjährigen Flüchtlingskindern.

"Die Familien waren sehr interessiert, offen und hilfsbereit", zieht Simone Noack ein positives Fazit "Wir haben gespürt: Ihnen ist es ein echtes Anliegen, die Minderjährigen aus den großen zentralen Unterkünften in ihre Familie zu holen – das ist gelebte Integration!"

Auch die neuen Gastfamilien hoben die angenehme Atmosphäre in den Workshops und den regen Austausch zwischen allen Beteiligten hervor: "Ich habe hier eine einzigartige Gemeinschaft erlebt", erzählt die Gastfamilienmutter Anne Lorenz*. "Das hat mich sehr in meinem Vorhaben bestärkt, diesen Weg weiter zu gehen." Gastfamilienvater Heiner Kramer stimmt ihr zu: "Vor allem die authentischen Berichte haben mir neuen Schwung gegeben, die Sache anzugehen." Und die aus Tunesien stammende Gastfamilienmutter Aziza Harabi ergänzte auf Arabisch: "Wir wünschen uns allen im Sinne der ausländischen minderjährigen Jugendlichen, dass alles gut klappt und die Jugendlichen bald in die Familien kommen".

 

*Alle Namen aus Gründen des Persönlichkeitsschutz geändert.