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Sozialarbeit in der Kita? Berliner PolitikerInnen besuchen Outlaw-Kita Heerstraße


"Was kann die Politik für Kitas tun?" – so lautete die zentrale Frage von Burgunde Grosse, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Christian Haß, SPD-Fraktionsvorsitzender in der BVV (Bezirksverordnetenversammlung) Spandau anlässlich ihres Besuchs in der Outlaw-Kita Heerstraße am 29. April.

"Der Bildungsauftrag von Kitas wird wohl kaum noch in Frage gestellt", sagt Bereichsleiterin Petra Kiefer. "Damit die pädagogischen Fachkräfte jedoch eine hoch qualitative Arbeit leisten können, müssen die Bedingungen dafür stimmen". Besonders dann, wenn die Kinder erhöhten Unterstützungsbedarf haben, wie Kitaleiterin Simone Gerike erzählt: "Ungefähr achtzig Prozent unserer Kinder stammen aus fremdsprachigen Elternhäusern oder aus benachteiligten Milieus. Viele Eltern tun sich schwer, in überfüllten Jugendämtern die nötige Unterstützung zu erhalten." So ist es schon vorgekommen, dass Familien obdachlos wurden oder der Zwangsvollstrecker vor der Tür stand.

Das stellt das Team der Berliner Outlaw-Kita vor Herausforderungen, die weit über den Bildungsauftrag hinausgehen. "Wir leisten hier ein gutes Stück Sozialarbeit", betont die stv. Kitaleiterin Janina Eschrich. Erfahrungen, die ihre KollegInnen aus den anderen Berliner Outlaw-Kitas teilen. Deshalb hat die gemeinnützige Outlaw Kinder- und Jugendhilfe das Programm Eltern:aktiv! gestartet, das den Eltern "bedarfsgerechte Hilfe aus einer Hand" anbieten möchte.

Janina Eschrich, Eltern:aktiv!-Beauftrage für ihre Kita erzählt: "Wir stemmen das Programm aus den Personalmitteln unseres Trägers Outlaw und werden dafür stundenweise freigestellt." Personelle, strukturelle und finanzielle Unterstützung durch den Bezirk würde uns unterstützen, um das Angebot auszubauen. "Das Vertrauen der Eltern zu uns ist sehr groß, deshalb wäre ein Familienzentrum in unserer Kita eine hervorragende Lösung, zumal eine solche Einrichtung in unmittelbarer Nähe fehlt bzw. für viele unserer Familien schwer erreichbar ist", so Janina Eschrich weiter.

"Kitas wie die der Outlaw gGmbH, die in ihrer täglichen Arbeit vor besonderen Herausforderungen stehen, benötigen zusätzliche Unterstützung, z.B. durch die Einrichtung eines Familienzentrums. Dafür werde ich mich gerne einsetzen", sagt Burgunde Grosse.

Auch bereits kleine Wünsche können den Kita-Alltag enorm verbessern: Häufigere Busverbindungen und mehr Verkehrsampeln auf der Strecke zur Kita würden den Eltern das Bringen und Abholen ihre Kinder erleichtern. Ein weiterer Punkt betrifft die sechsjährigen Kita-Kinder, die als "SchulrückstellerInnen" kein Anrecht auf ein Schülerticket haben und laut BVG-Beförderungsgesetz aufgrund ihres Alters einen gültigen Fahrschein besitzen müssen. Eine Befreiung bis zum Schuleintritt würde die Familien finanziell erheblich entlasten.

"Wir begrüßen es sehr, wenn sich Politiker vor Ort ein eigenes Bild von der Situation machen", betonte Petra Kiefer. "Wir danken für Ihr Interesse und werden die weitere politische Entwicklung gespannt verfolgen." 

Eltern:aktiv!
Das Programm setzt den Fokus auf die Erziehungspartnerschaft zwischen Kitas und Familien. Aus der Kindertagesbetreuung heraus entwickeln die Eltern:aktiv!-Beauftragten einerseits bedarfsgerechte und niedrigschwellige Angebote für Familien. Anderseits soll Eltern:aktiv! auch den MitarbeiterInnen als Hilfestellung für die komplexen Anforderungen der interkulturellen Pädagogik dienen.