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Wieviel zählt ein Bauchgefühl?

Nach Koblenz und Darmstadt organisierte Outlaw.die Stiftung gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendhilferechtsverein, dem Deutschen Kinderschutzbund LV Sachsen, der Hochschule Mittweida und der Technischen Hochschule Dresden den dritten Kinderrechte-Kongress in Dresden. In den Räumen der TU Dresden diskutierten am 22. und 23. September über 300 TeilnehmerInnen über Kinder- und Elternrechte - immer auch mit dem Blick auf die öffentliche Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe. Dabei boten vier Fachvorträge, zehn Fachforen und zehn Arbeitsgruppen Diskussionsstoff für einen intensiven Austausch.


Dr. Thomas Meysen vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht

Dresdens Sozialbürgermeisterin Kaufmann im Gespräch mit dem Vorstand von Outlaw.die Stiftung (v.l.n.r.) Gerald Mennen und Prof. Dr. Christian Schrapper

Worüber diskutiert man auf einem Kinderrechte-Kongresse? Über die Rechte von Kindern – ist doch klar. Auf dem Kinderrechte-Kongress in den Räumen der Technischen Universität Dresden beschäftigten sich über 300 Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe jedoch auch intensiv mit den Rechten der Eltern, denn sie sind es vor allem, welche die Wirklichkeit der täglichen Arbeit bestimmen. Eltern sind und bleiben die ersten und wichtigsten Erwachsenen, die für ihre Kinder Verantwortung tragen und sie haben – genau wie ihre Kinder –  ganz grundsätzliche Rechte auf die Unterstützung, Entlastung und Hilfe, die erforderlich ist, damit das immer riskantere „Unternehmen“, Kinder gut groß zu ziehen, gelingen kann. Genau hier wird aus Sicht der Organisatoren sichtbar, dass Kinder- und Elternrechte ohne eine aktive staatliche Gemeinschaft, die ihre öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen aller Kinder wirkungsvoll gestaltet, nicht denkbar sind. Wenn also über Kinderrechte und Elternrechte gesprochen wird, dann muss zuerst und zuletzt über die öffentliche Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe gesprochen werden – und zwar ebenso grundsätzlich wie konkret. Und hier, so die Veranstalter, muss auch die Wirklichkeit der Kinder- und Jugendhilfe zur Kenntnis genommen werden, die einerseits in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist und andererseits vielfach bis über die Grenzen gefordert ist.  

Thomas Meysen vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht verdeutlichte in seinem Fachvortrag zur „öffentlichen Verantwortung für die Rechte von Kindern und Eltern“, dass bei vielen Fachkräften eine enorme Angst vorherrscht, etwas falsch zu machen. „Wieviel zählt ein Bauchgefühl?“ – mit dieser Frage brachte Meysen die schwierige Situation, in der sich päd. Fachkräfte befinden, auf den Punkt. „Zu viele Vorschriften und Handlungsanweisungen schwächen die Fachlichkeit“, so Meysen und er machte deutlich, wie schädlich es auch sein kann, allein die Kinderrechte in den Fokus zu stellen. „Wenn wir nur vom Kind aus denken, verlieren wir die Eltern“, fasst er zusammen und meint „die Kinder- und Jugendhilfe muss auch in die Verständigung mit den Eltern kommen, sonst ist es zum Nachteil der Kinder“.  

In Fachforen und Arbeitsgruppen diskutierten die TeilnehmerInnen  dann im Kontext konkreter Handlungsfelder der Sozialen Arbeit – dabei wurden Kinder-und Elternrechte sowie die öffentliche Verantwortung der Kinder-  und Jugendhilfe unter anderem mit dem Blick  auf die Kindertagesbetreuung, Sozialpädagogische Familienhilfe, unbegleiteten minderjährigen Ausländer oder auch die Heimerziehung betrachtet – immer mit dem Fokus auf die tatsächliche Arbeitsrealität und dem Anspruch, wie es aus Sicht der Fachleute sein sollte.