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Osnabrücker Projekt "Querbeet" gewinnt KinderHabenRechte-Preis


Integration mit besonderem Fokus auf Kinder und Ihre Rechte: Das Projekt "Querbeet", eine Kooperation der Outlaw gGmbH mit Terre des Hommes und zwei Osnabrücker Kleingartenvereinen (Deutsche Scholle und KGV Süd), gefördert von der DBU, gewann dieses Jahr den KinderHabenRechte-Preis des Niedersächsischen Kinderschutzbundes und des Landes Niedersachsen, der am 23. September zum achten Mal verliehen wurde.

"Wir freuen uns riesig über diese Anerkennung",  so Outlaw-Bereichsleiterin Gabi Gaschina. "Mit dem Preisgeld können wir das Projekt weiter vorantreiben und zusätzliche Angebote auf die Beine stellen."

"Querbeet" startete Ende Februar in Osnabrück, zeitgleich mit dem 100-jährigen Jubiläum des Kleingartenvereins "Deutsche Scholle". Fünf Flüchtlingsfamilien bekamen jeweils eine Kleingartenparzelle, die sie nach ihren Wünschen - im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten - gestalten konnten.  Übergreifende Aktionen im beiden Kleingartenvereinen und Stammtische zu Flucht und Fluchtursachen sollen den Dialog und die Akzeptanz aller Vereinsmitglieder den Flüchtlingen gegenüber fördern.

Seit dem Projektstart hat sich einiges getan: Ab März 2016 begannen die Instandsetzungsarbeiten in den zum Teil verwilderten Gärten. Mit Hilfe eines Garten- und Landschaftsbauers schufen sich die Familien eine gute Basis, ihre Parzelle zu gestalten und erfuhren viel Hilfe von anderen Vereinsmitgliedern, beispielsweise beim Bau einer Gartenlaube oder durch Sachspenden.

"Die Kinder haben sich total gefreut, als sie die Gärten zum ersten Mal gesehen haben", berichtet Outlaw-Mitarbeiterin Farina Schubert, die das Projekt vor Ort begleitet. "Sie haben sich gleich ausgedacht, wie der Garten einmal aussehen soll und halfen ganz viel mit. Bezogen auf die Kinderrechte greifen hier besonders die Rechte auf Spiel und Freizeit, auf Mitbestimmung, auf eine gesunde Ernährung und auf Privatsphäre und einen geschützten Raum."

Häufig suchten Vereinsmitglieder das Gespräch mit den Familien, erkundigten sich nach den Fortschritten der Gärten und so entstanden viele positive Kontakte, besonders zu den direkten Nachbarn.  "Wir helfen uns gegenseitig, trinken gemeinsam Kaffee oder grillen - es ist sehr schön hier und alle sind sehr nett", berichtet Roula Al Hussein. Auch  ihr Sohn Ahmed fühlt sich sichtlich wohl  und erobert mit seinen Freunden das Vereinsgelände: "Ich spiele mit meinen Freunden hier Fußball und wir können zum Spielplatz gehen."

Neben den vielen positiven gab es auch vereinzelte negative Reaktionen von Vereinsmitgliedern, die andere Zeitvorstellungen hatten, bis wann die Gärten wieder instand gesetzt wären oder die Skepsis über das Projekt an sich äußerten.

Insgesamt ist die Atmosphäre aber durch Akzeptanz und eine Willkommenskultur geprägt. Fast alle Materialien, die die Familien zur Gestaltung ihrer Gärten benötigten, kamen durch Sachspenden von KleingärtnerInnen und anderen BürgerInnen der Stadt Osnabrück zusammen: Gartengeräte, Gehwegplatten, aber auch Pflanzen und Saatgut, so dass einige Familien schon in diesem Jahr das erste Obst und Gemüse ernten konnten.

Insgesamt kommt das Projekt also gut an in der Gemeinschaft der Kleingartenvereine und wird nun sogar erweitert: "Der KGV Süd stellte ab dem 1. September einen weiteren Garten zur Verfügung, und auch die Deutsche Scholle hat sich bereits dafür ausgesprochen, zukünftig weitere Parzellen für Flüchtlingsfamilien bereit zu stellen", berichtet Gabi Gaschina.

Auch neue Projekte sind entstanden: Eine Kleingärtnerin aus dem KGV-Süd betreibt seit kurzem "Garten-sharing" mit einer Flüchtlingsfamilie und es gibt weitere Ideen, was man noch alles auf die Beine stellen könnte: "Wir überlegen, mit dem  Preisgeld des "KinderHabenRechte"-Preises einen Kinder-Kulturgarten zu schaffen", so Farina Schubert. "Hier könnten Gemeinschaftsaktionen und künstlerische oder kulturelle Angebote stattfinden. Außerdem könnte er als Begegnungsort, besonders für Kinder, dienen."

Fest steht: die Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft und im Rahmen des Projektes wird sich noch einiges entwickeln. Die Flüchtlingsfamilien haben schon jetzt sehr profitiert, fühlen sich akzeptiert und beginnen langsam, sich in dem neuen Land, in dem sie nun leben, zu verwurzeln.