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Ein fundamentales Menschenrecht als gesellschaftliche Herausforderung – Kinderrechtekongress in Münster


Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ist im Grundgesetz verankert und damit ein fundamentales Menschenrecht. Doch warum ist es derzeit immer noch so schwierig, allen Menschen Teilhabe zu ermöglichen?  

Rund 200 pädagogische Fachkräfte diskutierten auf dem vierten Kinderrechtekongress von Outlaw.dieStiftung in Münster am 13. und 14. September über dieses kontroverse Thema.  

Prof. Dr. Christian Schrapper, 1. Vorsitzender von Outlaw.die Stiftung, verdeutlichte die derzeitige Situation anschaulich mit einem Vergleich: „Wollen wir an jede Bordsteinkante einen Inklusionshelfer für Rollstuhlfahrer stellen oder senken wir diese Hürden lieber ab?" Inklusion sei in diesem Sinne eng mit Exklusivität verknüpft. Exklusive Strukturen gelte es zu vermeiden bzw. abzuschaffen.  

In drei Fachvorträgen beleuchteten Expert*innen das Thema auf unterschiedliche Weise und in Reflexionsforen tauschten sich die Pädagog*innen über ihre Erfahrungen aus. Acht Perspektivforen dienten dem Blick nach vorn: Die Referent*innen stellten neue Wege vor, die sie schon gehen, thematisierten aber auch Stolpersteine, an denen sie immer wieder scheitern.  

Die Notwendigkeit, Perspektivwechsel vorzunehmen erläuterte Dr. Donja Amipur von der Technischen Hochschule Köln, indem sie aus der Sicht von Pädagig*innen einer Kindertageseinrichtung von einer schwer zu erreichenden Mutter mit Migrationshintergrund berichtete. Im Anschluss stellte sie ein Interview mit dieser Mutter vor, in welchem ihre Lebenssituation und damit ihr Handeln gut nachvollziehbar wurde. Wichtig sei, ein „othering“, also die Grenzziehung zwischen „wir“ und „den anderen“, zu der unsere Gesellschaft neige, aufzuheben und ungeachtet von Stereotypen Familien und ihre Lebensgeschichten ganzheitlich anzunehmen.  

Prof. Dr. Sabine Schaeper von der KatHo NRW referierte über Teilhabe als Gegenprogramm zur Leistungsgesellschaft. Teilhabe bedeute, zu teilen, vielleicht aber auch einen ganz neuen Blickwinkel einzunehmen, ressourcenorientiert zu denken aber nicht immer nur in wirtschaftlichem Interesse zu handeln.  

Dr. Thomas Meysen stellte das Paradox eines rigiden Rechtssystems vor, das ungeachtet der Situation jedes Einzelnen in Kategorien einteilt, nach denen entschieden wird. Einerseits sei es notwendig, Grenzen zu ziehen, damit klare Zuständigkeiten definiert sind, andererseits bräuchte es den Blick auf den Einzelfall, um jedem Menschen gerecht zu werden.  

Immer wieder wurde deutlich, dass gesellschaftliche Bedingungen, die Rechtslage und Barrieren in den Köpfen ein Umdenken erfordern, ebenso wie einen Perspektivwechsel, die Bereitschaft zu teilen und nicht zuletzt einen langen Atem. Wo revolutionäres Potential auf ein veränderungsresistentes System trifft gilt es, die Entwicklung voranzutreiben um langsam doch Änderungen zu bewirken.