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Welttag der Migranten und Flüchtlinge: Outlaw zeigt Haltung


Am 20. Januar 2019 findet der von Papst Benedikt XV initiierte Welttag der Migranten und Flüchtlinge statt. Grund genug, einmal auf Menschen und ihre Situation aufmerksam zu machen, die unter uns leben:  

In Hamm betreibt Outlaw die interkulturelle Inobhutnahme. Jugendliche, deren Muttersprache nicht Deutsch ist sowie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge finden hier einen sicheren Ort, um ihr Leben zu ordnen und ihre Perspektiven zu klären. Sechs hauptamtliche pädagogische Fachkräfte sind rund um die Uhr für die Jugendlichen da und bieten ihnen Schutz und Sicherheit.

Geflüchtete aus Guinea

Auffällig ist, dass die Einrichtung, die fast durchgehend zu 100% ausgelastet ist, seit etwa einem halben Jahr besonders viele geflüchtete Jugendliche aus Guinea betreut. Vor allem Armut, politische Konflikte mit gewaltsamen Auseinandersetzungen, Menschenrechtsverletzungen, Folter, Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung von Frauen und andere Gründe zwingen die Menschen dort zur Flucht.

In Guinea kämpfen verschiedene Volksgruppen gegeneinander: die Fula, die Malinke und die Soussou. Die Mehrheit der in Hamm aufgenommenen Jugendlichen gehört zu den regierungskritischen Fula, die, laut ACAT („Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter“ – eine Bewegung, die 1974 in Frankreich gegründet wurde) oft inhaftiert und gefoltert werden. Bei vielen haben sich die Lebensumstände aufgrund des Todes eines Elternteils - häufig des Vaters - so drastisch geändert, dass sie ihre einzige Option in einer Flucht sahen. Auf ihren Handys sind Videos zu sehen, in denen Demonstrationen meist blutig zerschlagen werden. Auch ein Mädchen ist unter den geflüchteten Minderjährigen.

„Die Jugendlichen wünschen sich, frei und ohne Todesangst leben zu können sowie die Möglichkeit zu haben, eine Schule zu besuchen und später eine Ausbildung absolvieren zu können. Für sie ist es ein gutes Gefühl, hier anzukommen und zu merken, dass sie frei und in Sicherheit sind. Sie brauchen keine Angst vor Militär, Misshandlungen, Vergewaltigungen und Nötigungen haben“, berichtet Koordinator Dominik Köhne von Outlaw.  

Die Jugendlichen erreichen die Einrichtung auf unterschiedlichen Wegen: Nach langer Flucht zu Fuß, über die gefürchtete „Seebrücke“ oder auf anderen Wegen, erreichen sie meist mit der Bahn Deutschland. Der Bahnhof in Hamm ist ein wichtiger und viel befahrener Knotenpunkt. Die Jugendlichen werden zum Teil von der Polizei aus den Zügen geholt. Ein anderer Teil meldet sich selbst bei der Bundespolizei am Bahnhof. Diese informiert daraufhin das örtliche Jugendamt, welches die Jugendlichen in Obhut nimmt und unter anderem bei Outlaw einen Platz anfragt.

„Haben wir einen Platz frei bringt das Jugendamt Hamm oder die Polizei die Jugendlichen in unsere Gruppe. Wir sind meist die ihre erste Anlaufstelle nach deren Flucht. Von hier aus werden sie medizinisch versorgt und wir besprechen mit ihnen ihre weitere Perspektive“, so Dominik Köhne.

Einen Tag nach seiner Ankunft in der Gruppe sagt ein junger Mann: „Ich möchte jetzt erstmal zur Ruhe kommen nach alldem, was ich erlebt habe. Ich bin froh dass ich es geschafft habe und in Sicherheit bin. Dann möchte ich zur Schule gehen und Deutsch lernen um vielleicht einmal studieren zu können.“

Ein guter und erfolgreicher Schulbesuch ist für die Jugendlichen umso wichtiger, als dass das BAMF Guinea zwar nicht als sicheres Herkunftsland, jedoch auch nicht als ein Land mit guter Bleibeperspektive eingestuft hat. Eine Abschiebung nach Guinea ist also theoretisch auch möglich.

„Wenn es uns gelingt, die Jugendlichen an Schulen, Vereine und andere öffentliche Einrichtungen anzubinden, haben sie gute Chancen, sich erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren“, so Teamleiter Matthias Klute. „Dafür brauchen sie aber auch Möglichkeiten, sich einzubringen. Der Zugang zu Bildung, aber auch ein offenes Miteinander sind dafür essentiell.

Haltung zeigen

„In Zeiten rechtspopulistischer Erfolge in Europa gilt es Position zu beziehen: Wir stehen ein für eine inklusive, solidarische Gesellschaft, die Abschottung und Ausgrenzung verneint und Vielfalt als hohen Wert lebt!“, ist auch Gabi Gaschina, Bereichsleiterin von Outlaw überzeugt.

Gerade auch die aktuelle Lage in der Seenotrettung macht deutlich, dass es Vorbilder braucht, die sich aktiv für Menschenrechte einsetzen: Wochenlang saßen im Dezember geflüchtete Menschen an Bord eines der Schiffe der NGO Sea-Watch e.V. fest, weil kein Land sich bereit erklären wollte, sie aufzunehmen.

Luigi de Magistris, Bürgermeister von Neapel, widersetzte sich aktiv und öffentlich der offiziellen Landespolitik Italiens, indem er sagte: "Der Hafen von Nea­pel ist offen, denn es gibt keinerlei bindende Regierungsverordnung, die seine Schließung verfügt hätte. Eben deshalb wünschen wir so sehr, dass die „Sea-Watch“ Neapel anläuft, denn alle juristischen wie humanitären Voraussetzungen dafür sind gegeben." Auch die Bürgerschaft von Neapel stellte sich hinter ihren Bürgermeister, indem sie Unterschriften für eine Öffnung des Hafens für die geflüchteten Menschen sammelten.

„Wir fordern die Bundesregierung auf, dass Deutschland sich weiterhin bereit erklärt, geflüchtete Menschen – auch aus der Seenotrettung auf dem Mittelmeer - aufzunehmen“, so Gabi Gaschina. „Natürlich braucht es dann Maßnahmen, eine gelingende Integration zu gewährleisten. Wir setzen an dieser Stelle mit der Flüchtlingssozialarbeit an und unterstützen und beraten geflüchtete Familien in allen Lebenslagen. Auch die Vermittlung weiterer Hilfsangebote gehört zu unseren Aufgaben. Integration ist ein langwieriger Prozess und wir sind immer wieder gefordert, zu vermitteln, aufzuklären und Hilfestellung zu geben.“

Gesprächsbereit bleiben

Auch Outlaw als Unternehmen bezieht immer wieder Position: Menschen in Not bieten wir Hilfe, Vielfalt ist in unseren Einrichtungen gewollt und bereichert das Zusammenleben. Wichtig dabei ist immer, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben, damit Missverständnisse vermieden werden und Vertrauen entstehen kann. Jeder Mensch sollte die gleichen Chancen bekommen und in seinem Wesen akzeptiert werden, unabhängig von Herkunft, sozialem Status, Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung.

Wir bleiben jedoch auch mit den Menschen im Gespräch, die diese Überzeugung nicht teilen, die vielleicht sogar genau die Haltung vertreten, die der Träger entschieden ablehnt, wie beispielsweise rechtsextreme Positionierungen und Gewalt.

Gesprächsgrundlage ist immer, jeden Menschen ernst zu nehmen und gleichzeitig diskriminierende und extreme Aussagen als solche zu benennen und anzusprechen. Immer wieder gibt es in diesem Rahmen Menschen, mit denen Gespräche nicht möglich sind. Es jedoch immer wieder zu versuchen sehen wir als unsere, aber auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.