Menü schliessen

Wie unkonventionelle Hilfen, eine gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und ein tolles Team Chancen ermöglichen


Die erste eigene Wohnung, selbstständig werden und den Alltag bewältigen: Celine aus Emden ist mit 18 Jahren eine „Careleaverin“ und meistert das „Erwachsen werden“ ganz gut. Dass sie einmal so selbstständig ihr Leben bestreiten würde, hätte vor einigen Jahren noch niemand gedacht. Aber durch viele unkonventionelle und individuelle Hilfen hat sie es geschafft.

Im Alter von zehn Jahren fing sie an, sich selbst zu verletzen und hatte Suizidgedanken. Die Familie war dem nicht gewachsen. „Mit 13 Jahren war ich dann erst in einer Psychiatrie untergebracht und bin von dort in eine Wohngruppe in Dortmund gezogen, doch da habe ich mich nicht wohl gefühlt“, berichtet sie. Es kam zu erneuten Suizidversuchen. Kurzzeitig wohnte sie wieder zu Hause bevor sie dann die Möglichkeit einer „ISE“ (Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung) bei Outlaw bekam. Im Rahmen eines Reiseprojektes ist sie mit ihrer Betreuerin vier Monate durch Deutschland gereist, doch auch das hielt sie nicht davon ab, sich zu verletzen und sich umbringen zu wollen – es musste eine andere Lösung her! Da Celine auf keinen Fall mehr in einer WG leben wollte und da sie intensive Betreuung benötigte, einigte man sich mit dem Jugendamt auf einen unkonventionellen Versuch: Um sich auf das erneute Leben in einer Wohngruppe einlassen zu können, durfte übergangsweise und „zum Ausprobieren“ ihre Betreuerin vom Reiseprojekt gemeinsam mit ihr in die Outlaw WG in Emden einziehen.

„Es war klar, dass Celine ein ganz besonderes Setting und eigentlich eher eine geschlossene Unterbringung benötigte, was sie aber auf keinen Fall wollte. Outlaw war in diesem Rahmen also nur Plan B“, berichtet Outlaw-Mitarbeiterin Gunda Grahl.   „Trotz meiner Probleme – dem ständigen Dissoziieren, der Selbstverletzungen und der ganzen Angst in mir, habe ich mich in der WG in Emden sehr wohl gefühlt“, berichtet Celine. „Die Betreuer*innen dort haben sich viel Zeit für mich genommen. Mir war auch immer sehr wichtig, dass ich mitentscheiden konnte. Jedes Hilfeplangespräch haben wir gemeinsam vorbereitet, ich konnte immer sagen, was ich möchte und in den meisten Fällen wurde das auch berücksichtigt. Auch wenn ich mal nicht einverstanden war muss ich zugeben, dass letztendlich doch alle Entscheidungen gut für mich waren.“  

Nach und nach kamen in den Monaten nach dem Einzug in Emden traumatische Erlebnisse aus Celines Kindheit ans Licht, anfangs mussten die Pädagog*innen ca. jeden zweiten Tag mit ihr ins Krankenhaus fahren, weil sie sich wieder schwer verletzt hatte. „Wir haben viel „ausgehalten“ und dafür gekämpft, dass Celine trotz ihrer Probleme in der WG bleiben kann, aber mit der Zeit wurde klar, dass eine weitere stationäre Therapie unbedingt notwendig war“, so Gunda Grahl. „Diese zweite Therapie hat mir sehr geholfen“, berichtet die heute 18-jährige. „Ich habe dort viel gelernt und verstanden, warum ich so reagiere. Trotzdem hatte ich noch viele Panik-Attacken und brauchte eine enge Betreuung, vor allem nachts.“ Außerdem gab es im Anschluss noch einige andere Schwierigkeiten: Celine benötigte eine spezielle ambulante Therapie, die nicht von der Krankenkasse übernommen wird. Über die Opferentschädigung konnte diese dann doch realisiert werden. Außerdem konnte sie keine normale Schule besuchen, wollte aber unbedingt ihren Schulabschluss machen. „Hier hat uns das Jugendamt wieder sehr geholfen, indem es zugestimmt hat, die Kosten für den Besuch einer Waldorfschule zu übernehmen“, berichtet Gunda Grahl. „Dadurch konnte Celine ihren Hauptschulabschluss machen und hat nun gute Chancen auf eine Berufsausbildung.“  

Mit dem Schulabschluss im Sommer 2018 wuchs auch der Wunsch nach einer eigenen Wohnung und einer Berufsausbildung – am liebsten in Emden. Mit Hilfe von Bereichsleiterin Christina Stoerk fand Celine in kurzer Zeit eine kleine Wohnung und erhielt dort Hilfe bei der Verselbstständigung. Bei einem Praktikum in einer Senioren-Tagesbetreuung merkte sie schnell, dass sie sich diese Arbeit auch dauerhaft vorstellen könnte. „Ich mache gerade mein drittes Praktikum dort und werde mich nun auf einen Ausbildungsplatz als `Fachpraktikerin in sozialen Einrichtungen` bewerben.“, so Celine. Die Chancen stehen gut: „Celine ist sehr verantwortungsbewusst und zuverlässig“, berichtet Gunda Grahl „Wir sind ganz besonders stolz darauf, wie sie sich in den letzten vier Jahren entwickelt hat und glauben fest daran, dass sie die Ausbildung gut meistern wird!“