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Raus aus der Jugendhilfe – rein in ein selbstbestimmtes Leben: Care Leaver Fachtag in Dresden

Outlaw Sachsen beteiligt sich mit Workshops & Veröffentlichung des einzigartigen "100-Schritte Abreißkalenders" mit Tipps von Care Leavern für Jugendliche


Care Leaver Fachtag in Dresden

Björn Redmann vom KJHRV und Martina Werkmann auf dem Podium

Einladung zur Präsentation

Vorstellung des Abreißkalenders

Was brauchen junge Menschen, um ihnen einen gelingenden Übergang heraus aus der Jugendhilfe in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fachtages „Schritte in ein selbstbestimmtes Leben – Unterstützungsmöglichkeiten für Care Leaver aus Heimen, Wohngruppen und Pflegefamilien“ am 25. September 2019 in der Dreikönigskirche in Dresden. Eingeladen hatte der Dresdner Kinder- und Jugendhilferechtsverein e. V. ( KJHRV) und Outlaw beteiligte sich mit drei Workshops an dieser Veranstaltung. Mehr als 100 Teilnehmer*innen kamen zur Fachtagung, darunter Outlaw-Mitarbeiter*innen aus den Dresdner WGs Mädchenwohnen Bischofsweg & Ermelstraße, den City-WGs, der WG Meißen, den HzE Neustadt sowie die HzE-Bereichsleiter*innen Steffi Ulbricht und Marco Matthes.

„Care Leaver stehen im Übergang vor vielen Herausforderungen, ebenso die betreuenden Pädagog*innen. Welche Probleme und Chancen in der Praxis entstehen, genau da setzte der Fachtag an und wir konnten unsere Erfahrungen einbringen“, erläutert dazu Martina Werkmann, Teamleiterin der WG Mädchenwohnen Bischofsweg in Dresden, und ergänzt: „Die Tagung bot die Möglichkeit, aus der Perspektive von Care Leavern zu schauen, welche Probleme und Schwierigkeiten die Jugendlichen erwarten, wenn sie die Jugendhilfe verlassen und wie bereits vor Hilfeende die Chancen für einen guten Start ins eigenständige Leben erhöht werden können. Gemeinsam mit Fachkräften zu diskutieren war für die jungen Menschen hoch spannend und andersherum ebenso. Das Thema in der Dresdner Fachöffentlichkeit zu platzieren war uns, die schon seit Jahren intensive Care Leaver-Arbeit leisten, ein großes Anliegen.“

Neben dem Grußwort von Bernd Heidenreich (Sächsisches Landesjugendamt), einem Fachvortrag von Severine Thomas (Uni Hildesheim) und Workshops gab es deshalb auch eine Podiumsdiskussion mit jungen Menschen aus dem Care Leaver Zentrum Dresden.

Stark nachgefragt war der Workshop der Pädagoginnen Andrea Hoch und Marlen Prescher der Dresdner Outlaw-WG Mädchenwohnen Bischofsweg und der Care Leaverin Teida Vera Heerdegen, einer ehemaligen Bewohnerin der WG. Unter dem Titel “Was können Einrichtungen tun?“ stellten sie das Gruppenangebot „Care Leaver Brunch“ vor, welches seit 2016 in der WG angeboten wird. Rund 19 Fachkräfte nahmen teil und hatten viele Fragen: Wie können wir die Jugendlichen nach dem Auszug noch gut begleiten? Wie kann eine Ehemaligenarbeit aussehen? Wie können sich Fachkräfte besser vernetzen, um in den Austausch zum Thema Care Leaver zu treten? Einen wichtigen Tipp hatte dazu Teida Vera Heerdegen selbst: „Habt Vertrauen in die Jugendlichen!“

Im Workshop von Martina Werkmann und der ehemaligen Bewohnerin der WG Bischofsweg Leona Meincke wurde der Inhalt und die Entstehung des Abreißkalenders „In 100 Schritten in ein selbstbestimmtes Leben“ vorgestelltele. Viele Fachkräfte nahmen teil und lobten die Idee als gelungene Wertschätzung für die mitarbeitenden Care Leaver. Einen weiteren gut besuchten Workshop gestaltete Simone Noack, Outlaw-Fachberaterin für Erziehungsstellen in Sachsen, zum Thema „Übergänge für Pflegekinder“. Weitere Workshops waren: Welche Bedeutung haben Selbstorganisationen und Care Leaver-Initiativen? Was können Einrichtungen tun? (Bonhoeffer-Häuser-Tübingen). Rechte für Care Leaver und Kommunale Handlungsmöglichkeiten.

Der "100 Schritte Abreißkalender" für Care Leaver

Im Anschluss an den Fachtag fand dann die große Vorstellung des „100 Schritte Abreißkalenders“ statt. Die jungen Menschen stellten gemeinsam mit Björn Redmann vom KJHRV und Martina Werkmann das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit vor. Es begann mit einer Idee beim Care Leaver-Brunch vor mehr als drei Jahren. Immer wieder tauschten sich die jungen Frauen darüber aus, woran sie alles denken müssen, wenn sie selbständig werden und welche Stolpersteine es gibt. Es war Weihnachtszeit und Martina Werkmann hatte die Idee: Lasst uns eine Art Adventskalender mit 24 Türen zur Selbständigkeit gestalten. Die Idee wurde weiterentwickelt, doch die Umsetzung in der Praxis war zäh.

Hilfreich war dann die intensive und sehr gute Zusammenarbeit mit dem KJHRV: Wochenenden in Mohorn, Workshops in der WG im Bischofsweg und im Verein. So entstand aus der Idee mit den“ 24 Türchen“ dieser Kalender mit 100 Tipps von Jugendlichen für Jugendliche. Auch verschiedene Förderungen, wie z. B. durch Aktion Mensch, das Deutsche Kinderhilfswerk und auch OUTLAW.die Stiftung ermöglichten es, dass nun ein wirklich hilfreicher und grafisch professioneller Kalender vorliegt. Nach der Vorstellung einzelner Seiten durch die jungen Menschen im Podium sowie der Erläuterungen zum Hintergrund und der Entstehung des Abreißkalenders, nutzen gleich viele Fachkräfte die Chance und erwarben ein Exemplar – bereits 100 Kalender konnten so gegen eine kleine „Schutzgebühr“ während des Fachtages verkauft werden.

Ein großer Dank gilt dem Kinder- und Jugendhilferechtsverein für die hervorragende Zusammenarbeit.