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Pädagogik, Interkulturalität, Repräsentation: Outlaw-Fachkräfte in Cao Lanh, Vietnam


Ulrike Mengler überreicht ein Gastgeschenk aus Vietnam an Outlaw-Geschäftsführer Dr. Friedhelm Höfener

Einen Blick über den Tellerrand in eine fremde Kultur mit vielen neuen Erfahrungen und pädagogischem Input: 12 Outlaw-Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Regionen und Fachbereichen reisten gemeinsam mit 2 Vertreterinnen des Landesverbandes Sächsischer Jugendbildungswerke e.V. (LJBW) Ende November in die Provinz Dong Thap in Vietnam. Die Kolleg*innen aus den Bereichen Kita, Kitasozialarbeit, Hilfen zur Erziehung sowie aus der Zentrale besichtigten vor Ort verschiedene Bildungs- und Wohlfahrtseinrichtungen – sowohl private als auch staatliche – und tauschten sich mit vietnamesischen Fachkräften aus.

Der Austausch wurde vom Landesverband Sächsischer Jugendbildungswerke e. V. initiiert und über den Kommunalen Sozialverband Sachsen mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts. Koordiniert wurde die Reise vor Ort federführend durch den Vietnamesischen Träger T.Info, der als einer der wenigen privaten Träger in Vietnam die Future School betreibt. Zur Future School gehören eine Kindertageseinrichtung für rund 370 Kinder sowie eine Grundschule für ca. 220 Kinder.

„Besonders interessant war für uns zu sehen, wie der Tagesablauf in der Kita organisiert ist. Dieser folgt einem festen Stundenplan mit Unterrichtseinheiten in Englisch, Musik, Sprache, Sachkunde und weiteren Fächern“, berichtet Ulrike Mengler, die den Austausch vor Ort gemeinsam mit Steffi Ulbricht leitete. „Auffällig war das Regelbewusstsein der Kinder und die Bildungsorientierung der Erzieher*innen und Lehrkräfte. Der Unterricht war klar auf die Wissensvermittlung ausgerichtet, Freispiel gab es kaum.“

In der Grundschule herrschte ebenfalls ein klarer Fokus auf die Wissensvermittlung und weniger auf Teamarbeit und selbstbestimmtes Lernen. Auch die staatlichen Einrichtungen – Kita und Schule – präsentierten sich mit vorbereiteten Unterrichtseinheiten und auch hier folgte der Kita-Tagesablauf einem festen Stundenplan.

Nach vielen Besichtigungen und Austauschtreffen waren dann die Outlaw-Kolleg*innen am Zug: Sie zeigten beispielhaft bei selbst gestalteten Aktivitäten in der Kita, Schule und Behindertenschule, welche Methoden wir bei uns zur Wissensvermittlung einsetzen: vom Experiment bis zur Teamarbeit, immer mit großer Fehlerfreundlichkeit, denn auch aus Fehlern kann man vieles lernen. Die Schulleitungen und Lehrkräfte waren sehr interessiert an unseren pädagogischen Konzepten und stellten zahlreiche Fragen.

Einen Eindruck dazu direkt aus Vietnam schickte uns unsere Kollegin Kerstin Nebel vom Team HzE jugendPLUSberuf/Team3 in Halle. Klicken Sie bitte hier.

Der Aufenthalt war für die Teilnehmer*innen sehr bereichernd und interessant, aber auch anstrengend. Die Tage waren komplett durchstrukturiert und ließen aufgrund der Programmdichte kaum Möglichkeiten der freien Gestaltung. Die Gruppe erhielt umfangreiche Einblicke in die vietnamesische Bildungsarbeit und auch Kultur. Insbesondere die Übernachtung der Kolleg*innen bei vietnamesischen Familien ermöglichte diesen Blick „hinter die Kulissen“. Beim gemeinsamen Kochen und Essen (teilweise auf dem Boden) traditioneller Speisen war ein persönlicher und privater Austausch möglich. Hände und Füße mussten oft zur Kommunikation eingesetzt werden, was zwar schwierig war und hier und da für Missverständnisse, aber auch für einige Lacher auf beiden Seiten sorgte.

Welche Bedeutung dem Besuch der Deutschen Delegation beigemessen wurde, erkannten unsere Kolleg*innen insbesondere im Rahmen eines Workshops, der mit rund 100 Teilnehmer*innen im Bildungsamt der Provinz Dong Thap stattfand. Neben Vertreter*innen der kommunalen Verwaltung interessierten sich vor allem Schulleitungen und Kita-Leitungen für unsere Angebote – insbesondere dem Hortmodell. Es wurde der klare Wunsch formuliert, dieses Modell in Vietnam zu realisieren. Sogar das Fernsehen lud Ulrike Mengler und Antje Krauße in eine Sendung ein, in der sie zu ihren Eindrücken und Erfahrungen befragt wurden.

Klicken Sie hier, um den TV-Beitrag anzusehen.

„Es war ein intensives und bereicherndes Erlebnis, das die Anstrengungen vor Ort schnell vergessen lässt“, fasst Ulrike Mengler den Aufenthalt zusammen. Auch Steffi Ulbricht, Bereichsleiterin HzE in Sachsen, die bereits zum 3. Mal in Vietnam war, nahm viele Eindrücke mit und beobachtete neue Entwicklungen: „Der Austausch in diesem Jahr hat sich fachlich noch einmal sehr vom Austausch 2017 abgehoben. Die Fachkräfte und auch das Bildungsamt haben sich sehr für unsere Arbeit interessiert und es war ein echter Austausch möglich. Sehr hilfreich war, dass die deutschen und die vietnamesischen Fachkräfte in drei Gruppen arbeiteten und somit in ihren Bereichen – Kita, Schule, Behindertenarbeit – sehr intensive Begegnungen möglich waren. Auch verschiedene Abendgestaltungen wurden gruppenbezogen durchgeführt, so war es wirklich möglich, einige Vietnamesen viel enger kennenzulernen.“

Der Fachkräfteaustausch in Vietnam ist ein wichtiger Baustein der Kooperation zwischen der Outlaw Kinder- und Jugendhilfe und dem vietnamesischen Träger T.info. Bereits seit 2016 werden verschiedene Maßnahmen umgesetzt. „Unser großes Ziel war, hinsichtlich der Fachkräftegewinnung neue Wege zu gehen und einen regelmäßigen fachlichen und interkulturellen Austausch zu etablieren“, betont Dirk Luther, Outlaw-Regionalgeschäftsführer Berlin und Sachsen. „Das ist uns gelungen und wir werden diesen Weg weitergehen. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern und Förderern, wie dem LJBW, dem Kommunalen Sozialverband in Sachsen und dem Freistaat Sachsen, planen wir bereits die nächsten Maßnahmen, darunter zwei Austauschprogramme für Fachkräfte aller Outlaw-Regionen und einen Jugendaustausch.“

Klicken Sie hier in ein Video mit Eindrücken der Kolleg*innen vor Ort.

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