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Menschen zu ihrem Recht verhelfen


Ahmed* arbeitet bei einer Zeitarbeitsfirma. Immer mal wieder kommt es vor, dass die Firma sich morgens meldet und ihm sagt, dass er heute zu Hause bleiben könne, da es gerade keine Arbeit für ihn gebe. Aber darf die Firma dann auch sein Gehalt einbehalten? Ist es richtig, dass Sonntage als Urlaub zählen? Bekommt man überhaupt sein Gehalt, wenn man Urlaub nimmt? Und wieviel Gehalt bekommt man normalerweise in Deutschland für seine Arbeit – Stichwort: Mindestlohn?  

Viele Fragen beschäftigen die geflüchteten Menschen, die sich Ende Februar in der Koordinierungsstelle Flüchtlingsarbeit trafen, um mehr über ihre Rechte als Arbeitnehmer*innen zu lernen. Gemeinsam mit der Stadt Osnabrück und der Caritas betreibt Outlaw die Koordinierungsstelle Flüchtlingsarbeit, die diese Infoveranstaltung initiiert hat. „Bei unseren Kontakten mit den geflüchteten Menschen sprechen wir mit ihnen natürlich auch über berufliche Perspektiven“, so Martina Wagener von Outlaw. „Viele sind bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt und uns sind in diesem Zusammenhang schon öfter Unstimmigkeiten aufgefallen.“

Gemeinsam mit dem DGB haben die Flüchtlingssozialarbeiter*innen, eine dreiteilige Infoveranstaltung angeboten. Zwei Studentinnen vom Hochschulinformationsbüro des DGB klären die Geflüchteten nun umfassend über ihre Rechte am Arbeitsplatz auf. Angefangen von verschiedenen Arbeitsmodellen – Anstellung, Selbstständigkeit, Ehrenamt u. a. – über soziale Sicherung, die Struktur von Leiharbeit, Mindestlohn, Qualifikationen, Weiterbildung und Ansprüche, die sie als Arbeitnehmer*innen an ihre*n Arbeitgeber*innen stellen können. Ganz konkret schauen sie sich auch einen Gehaltszettel an und gehen die wichtigsten Punkte durch, die die Arbeitnehmer*innen kennen sollten.  

„Nur wer seine Rechte kennt, kann diese auch einfordern, deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, die Geflüchteten aufzuklären – Empowerment ist das Ziel“, so Martina Wagener. „Für eine gelingende Integration müssen die Menschen auch Chancen bekommen, sich hier ein eigenständiges Leben aufzubauen und wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen. Die Menschen wollen arbeiten und ihren Teil zum gesellschaftlichen Leben beitragen. Uns ist es wichtig, sie dabei zu unterstützen.“  

Neun  Geflüchtete nahmen das Angebot der Koordinierungsstelle in Anspruch. Damit sie und andere Interessierte auch langfristig Ansprechpartner*innen in Sachen Arbeitsrecht haben, bietet der DGB in Osnabrück ab März jeden vierten Mittwoch im Monat eine offene Sprechstunde an. „Wir möchten den Menschen den Rücken stärken und ihnen helfen, unter fairen Bedingungen zu arbeiten, um sich auf dieser Basis eine gute Existenz aufbauen zu können“, so eine der Studentinnen. Ein Anfang ist mit diesen Angeboten auf jeden Fall gemacht.  

* Name von der Redaktion geändert