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Flüchtlingssozialarbeit - in der Corona-Krise wichtiger denn je


Menschen, die geflüchtet sind, benötigen viel Unterstützung – die sie unter den Bedingungen, die Corona mit sich bringt, aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr oder nur eingeschränkt bekommen. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die sie in dieser Situation auffangen und ihnen den Start und das Leben in einem neuen Land erleichtern.

Die Arbeit unserer Koordinierungsstelle Flüchtlingsarbeit in Osnabrück, in Kooperation mit der Stadt und der Caritas, hat sich dementsprechend gewandelt. Bereichsleiterin Gabi Gaschina zieht eine Bilanz: „Das Team der Flüchtlingssozialarbeit sah sich im vergangenen Jahr und auch jetzt noch mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Wir haben festgestellt: Corona ist ein enormer Integrationshemmer. Der Hilfebedarf ist deutlich gestiegen, da der Kontakt zu Ämtern nur eingeschränkt in Präsenz verfügbar ist und viele Angebote, die die Integration fördern, derzeit nicht stattfinden.“

Ein Überblick:
Spracherwerbsmöglichkeiten in Kursen aber auch in alltäglichen Situationen in Kitas, Schulen, Begegnungsformaten und Freizeitgestaltung fielen fast flächendeckend weg.

Der Verlust von Arbeitsmöglichkeiten - insbesondere im Niedriglohnsektor - führte bei vielen Menschen zu gravierenden finanziellen Problemlagen. Außerdem beschränkte der Verlust der Arbeit die Teilhabe an der Arbeitswelt und die damit einhergehenden sozialen Kontakte. Verschuldung, Verarmung, Vereinsamung, existentielle Nöte und damit einhergehende psychische Belastungen waren die Folge.

Die gravierenden Einschränkungen aller wichtigen Behörden im Bereich des persönlichen Kundenkontaktes erschwerten den Zugang zu Informationen, Hilfestellungen und Antragsstellungen. Die geflüchteten Menschen konnten aufgrund ihrer eingeschränkten Sprachkenntnisse diese Hürden nicht selbstständig nehmen und Probleme klären. Hier waren unsere Flüchtlingssozialarbeiter*innen sehr gefordert, zu vermitteln und bei Schwierigkeiten zu unterstützen.

Die Teilhabe an Bildungsprozessen war durch Kita- und Schulschließungen, aber auch durch die Schließung von Projektangeboten (z.B. berufliche Bildung), enorm eingeschränkt. Bildungsbenachteiligung stieg um ein Vielfaches an, da nur ein kleiner Teil der Kinder, Jugendlichen und Familien über digitale Endgeräte und Mailadressen verfügt, welche die Teilnahme an den digitalen Arbeitsformaten des Homeschoolings sicherstellen. Gleichzeitig sind viele Eltern aufgrund ihres eigenen Bildungs- und Sprachniveaus nicht in der Lage, ihre Kinder im Homeschooling adäquat zu unterstützen. Dies spiegelt sich auch in den vermehrten Unterstützungsanfragen von Schulen an die Koordinierungsstelle Flüchtlingssozialarbeit wider.

Soziale und gesellschaftliche Teilhabe ist durch die Beschränkungen in den Kontakten und den außerfamiliären Aktivitäten wie z.B. Sportgruppenangebote, Kulturangebote etc. deutlich eingeschränkter. Das Zusammenwachsen als Gesellschaft konnte sich während der Pandemie nicht weiterentwickeln, einzige Ausnahme bildet die Unterstützungsbereitschaft von Geflüchteten für Geflüchtete und für Projekte wie die Tafel.

Neu ankommende Einzelpersonen/Familien kommen derzeit in die schwierigsten Startbedingungen seit Bestehen der Koordinierungsstelle Flüchtlingssozialarbeit. Die „Erstversorgung“ mit Kleidung, Möbeln, Haushaltsartikeln sowie durch Ärzte und therapeutische Angebote funktioniert ausschließlich über die Netzwerkkontakte der Mitarbeiter*innen.

Die „Erstorientierung/Wegweiserberatung“ besteht hauptsächlich darin, bei der Bewältigung der erhöhten Hürden der Regelangebote und Behörden zu unterstützen. Die Zunahme von existentiellen Notlagen und der Stillstand bzw. Rückschritt in Teilhabeprozessen machten das Jahr 2020 zu einem besonderen Jahr für die Migrationsberater*innen und begleitet uns auch in 2021.

Der Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ geriet unter den Gegebenheiten der Pandemie oft an seine Grenzen. Umso wichtiger ist der Einsatz unterstützender Sozialarbeiter*innen. Doch auch sie können nur einen Teil auffangen. Integration entsteht im Miteinander, durch soziale Kontakte, Sport, Gruppenangebote – das können sie nicht ersetzen. Umso wichtiger ist es, Auswege aus der Krise zu finden.