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Norderneyer Gespräche: Mit Menschen


Zum zweiten Mal lud Outlaw.die Stiftung Expert*innen und Fachkräfte ein, um mit ihnen aktuelle Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe zu diskutieren - diesmal zum Thema: Herausforderungen beruflicher Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe. Mit eindrucksvollen Fakten eröffnete Dr. Christian Schrapper, Vorsitzender von Outlaw.die Stiftung, die Veranstaltung: So waren 2015 über 760.000 Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe tätig, das sind etwa 1/3 aller Sozialberufe. 40% der Beschäftigten sind dabei in Teilzeit tätig. Die Kinder- und Jugendhilfe ist ein sehr „junges Arbeitsfeld“ – die Hälfte der Mitarbeiter*innen sind unter 35 Jahre alt. Dennoch zeichnen sich auch für die freien und öffentlichen Träger in den nächsten Jahren Schwierigkeiten ab, durch Pensionierung und Rente freiwerdende Stellen adäquat zu besetzen.  

Am ersten Tag standen die Impulsvorträge der Referent*innen unter dem Motto „Personalgewinnung und Personalbindung“ – und aus verschiedenen Blickwinkeln diskutierten die über 40 Teilnehmer*innen darüber, wie es gelingen kann, Menschen für die Tätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe zu gewinnen – und diese auch dauerhaft für die Arbeit und für das Unternehmen zu begeistern.  

Arbeit 4.0 – Personal trotz Fachkräftemangel. Die Herausforderung macht einen Perspektivwechsel nötig.
 

Wie sich das Thema Fachkräftemangel schon heute auswirkt, zeigte Dr. Friedhelm Höfener. So sind bei der Outlaw gGmbH, wie bei vielen anderen Trägern auch, die Anzahl der Bewerbungen je freie Stelle spürbar zurückgegangen. Die Zeit, bis eine freie Stelle besetzt werden kann, steigt – ebenso die Kosten, die anfallen, bis für diese Stelle ein*e passende*r Bewerber*in gefunden werden kann. Personalgewinnung, Onboarding, Personalbindung, Fluktuation und Offboarding – alles rund um das Thema Personalmarketing/Personalentwicklung wird, davon zeigte sich Höfener überzeugt, für den künftigen Erfolg eines sozialen Trägers eine wesentliche Rolle spielen.  

Was die Menschen in ihrem Beruf belastet – und was sie motiviert, das präsentierte Brigitte Dinkelaker vom Deutschen Gewerkschaftsbund. So haben die berufliche Anerkennung/die Wertschätzung durch den Vorgesetzten eine äußerst positive Wirkung, während ein bestehendes Missverhältnis zwischen Verantwortung auf der einen Seite und personeller Ausstattung auf der anderen Seite zu einer subjektiv empfundenen Arbeitsbelastung führen kann. Weitere positive Punkte sind die Kommunikations- und Konfliktkultur in einem Unternehmen, die Beteiligung der Mitarbeiter*innen und nicht zuletzt das Verhalten der Führungskräfte.  

„Ein Great Place to Work®  ist dort, wo man denen vertraut, für die man arbeitet, stolz ist auf das, was man tut und Freude an der Zusammenarbeit mit anderen hat.“  

Einen Impulsvortrag aus einem ganz anderen Blickwinkel gab Robert Holtstiege, Inhaber der Orderbase GmbH in Münster. In dem Technologieunternehmen mit 60 Mitarbeiter*innen sind flache Hierarchien, eine klare Kommunikation und ein partnerschaftlicher Führungsstil unabdingbar, um erfolgreich zu sein. „Denn“, so Holtstiege, „wir sind schon da, wo sie vermutlich noch hinkommen.“ Der Fachkräftemangel ist in der IT-Branche schon lange angekommen und Holtstiege zeigte auf, was sein Unternehmen tut, um neue Mitarbeiter*innen zu gewinnen und zu halten. Zahlreiche Einzelmaßnahmen, die gut aufeinander abgestimmt sind, sorgen dafür, dass Orderbase weit über die Grenzen Münsters einen exzellenten Ruf als Arbeitgeber hat. Dies zeigt sich – und darauf ist Holtstiege besonders stolz – auch in den mehrfachen Auszeichnungen bei „Great Place to work – Deutschlands beste Arbeitgeber“.  

Kinder- und Jugendhilfe gestaltet Gegenwart und Zukunft!
 

Am zweiten Tag stand die Aus- und Weiterbildung im Fokus. Praxisbeispiele aus der schulischen Ausbildung wurden dabei ebenso vorgestellt wie der duale Studiengang Soziale Arbeit der staatlichen Studienakademie Breitenbrunn. Martina Kriener von der Fachhochschule Münster machte deutlich, dass die Ausbildung aus ihrer Sicht dann gut gelingt, wenn Hochschule und Praxis als Lernorte kooperieren. Eine besonders lebhafte Diskussion entstand mit Blick darauf, ob ein duales Studium den Problemen und Herausforderungen der Praxis besser begegnen kann.  

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Norderneyer-Erklärung, in der wesentliche Positionen und Forderungen zusammengefasst wurden. Diese wird den nächsten Wochen auf der Webseite von Outlaw.die Stiftung veröffentlicht!