Menü schliessen

Fanprojekte in Deutschland: Wirkungsvolle Arbeit mit Jugendlichen


In den 90er Jahren wurde Fußballfanarbeit in Deutschland  als „exotisch“ beschrieben – heutzutage ist die Fanarbeit mit Jugendlichen längst etabliert und hat mit insgesamt 59 Fanprojekten und rund 185 hauptamtlichen Mitarbeiter*innen einen akzeptierten Platz in und rund um dem Fußball erhalten. Ein im Jahr 2011 eingeführtes Qualitätssiegel sichert den heutigen fachlichen und strukturellen Standard der Arbeit und gibt einen Rahmen vor, mit der die tägliche Arbeit der Fansozialarbeiter*innen geprägt wird. „Fansozialarbeit hat eine hohe Bedeutung im deutschen Fußball und wird eine immer wichtigere Instanz. Das Fußball-Fanprojekt in Leipzig ist seit 2011 im Rahmen sozialpädagogischer Jugendarbeit in der Trägerschaft von Outlaw tätig und setzt sich für aufsuchende und offene Jugendarbeit ein“, so Steffen Kröner, Regionaler Geschäftsführer von Outlaw. Fußball hat sich weit über das Sportliche hinaus positiv entwickelt: Rund 97 Prozent der Zuschauer*innen fühlen sich in deutschen Stadien sicher. Sicher ein Grund, warum auch immer mehr Frauen und Familien den Weg in die modernen Sportanlagen finden und die Zahl der Besucher*innen um das Dreifache gestiegen ist. Die Stehränge sind nach wie vor meistens von jugendlichen Fans geprägt, die seitens der Fansozialarbeit begleitet werden. In einem Bericht der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) heißt es, dass Fanprojekte gut für die Gesellschaft sind. Viele Vereine, Organisationen und Fanprojekte engagieren sich gegen Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung und für die gesellschaftliche Integration von Flüchtlingen.  

Fußballsozialarbeit ist gesellschaftlich notwendig  

Es ist nicht nur gut, dass Fanprojekte mit jungen Menschen arbeiten, es ist auch gesellschaftlich notwendig. „Die Wirkung der pädagogischen Arbeit der Fanprojekte reicht weit über den Fußball hinaus. Sie unterstützt mithilfe der verbindenden Wirkung des Fußballs und seiner besonderen Fankultur die demokratische Erziehung vieler Jugendlichen und soll präventiv wirken“, erläutert Steffen Kröner. Die Fanprojekte folgen in ihrer Arbeit den Konzepten und Grundsätzen von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit und damit den Prinzipien der aufsuchenden Jugendarbeit. Ihre Tätigkeit  ist geprägt von: Zielgruppenorientierung, Verlässlichkeit und Vertrauensschutz, Freiwilligkeit, Flexibilität, Offenheit und kritischer Parteilichkeit. Die unabhängigen Fanprojekte haben die Interessen der einzelnen Jugendlichen im Blick, ihr Wirkungsbereich bewegt sich aber in einem einflussreichen – von kommerziellen und politischen Interesse dominierten – Arbeitsfeld. „Aus diesem Grund ist die Akzeptanz und Unterstützung des spezifischen Arbeitsansatzes der Fanprojekte durch alle Netzwerkpartner von elementarer Bedeutung, damit die Projekte ihre Wirksamkeit entfalten können.“

Fanprojekt Leipzig  Das Fanprojekt Leipzig ist eine Einrichtung der kommunalen Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Leipzig. Das Fanprojekt wird finanziert durch den Deutschen Fußballbund / Die Deutsche Fußball-Liga, die Stadt Leipzig und im Rahmen der Förderrichtlinie Fanprojekte durch das Sächsische Staatsministerium des Innern über den Landespräventionsrat im Freistaat Sachsen. In Trägerschaft von Outlaw ist das Fanprojekt im Rahmen sozialpädagogischer Jugendarbeit tätig und arbeitet mit den Fans vom 1. FC Lokomotive Leipzig, der BSG Chemie Leipzig, RB Leipzig und Projekt bezogen mit den Fans von Roter Stern Leipzig. „Zentral in der Arbeit ist zudem, dass alle Heim- und Auswärtsspiele der Vereine vorbereitet, begleitet und gegebenenfalls nachbereitet werden. An den Spieltagen stehen die Ansprechpersonen sowohl den Fans als auch auch der Polizei und den Ordnungsdiensten zur Verfügung. Unser Ziel ist, zwischen den Beteiligten zu vermitteln und deeskalierend zu wirken, wo Konfliktpotenzial gegeben ist. Hierzu bedarf es eines verlässlichen Netzwerks (der Kommunikation) mit allen beteiligten Institutionen – dieses herzustellen oder zu pflegen ist Teil unserer Aufgaben“, so Steffen Kröner.

Reaktivierung des Fanprojektes in Halle Auf Ihre langjährige Erfahrung in Leipzig möchte Outlaw in Halle aufbauen: „Halle ist ein wichtiger Fußball-Standort in den neuen Bundesländern, mit einer ausgeprägten Fanszene“, ergänzt Steffen Kröner. Outlaw hat sich für die Trägerschaft des HFC-Fanprojektes beworben und möchte hiermit die Fanprojekte in der Organisation sowie die Weiterentwicklung in Halle fördern. Ziel sei es, die Grundwerte wie Toleranz, Integration und Solidarität in die Fanszene zu verankern. „Wir stehen für die Entwicklung einer demokratischen und toleranten Fankultur, ohne menschenfeindliche Einstellungen“, so Steffen Kröner. Um dies umzusetzen, will Outlaw einen intensiven Kontakt mit der Fanszene herstellen, mit freizeitpädagogischen Angeboten für Fans und Spieltagsbegleitung. Dabei setzt die Einrichtung auf eine intensive Zusammenarbeit auch mit dem HFC, der Kommunalpolitik, Fußballverbänden und der Polizei. Die Wichtigkeit der Fanprojekte ist deutlich zu sehen: Immer mehr Vereine, Städte und Kommunen etablieren Fansozialarbeit. Tendenz steigend.  

Quellen: Sachstandbericht Fanprojektarbeit KOS, Konzept Qualitätssiegel KOS, Strafprozessualer Reformbedarf des Zeugnisverweigerungsrechts in der sozialen Arbeit KOS, Fanhilfe Magdeburg