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„Das Boot ist voll“

Outlaw gGmbH, Caritas und Exil e.V. präsentierten Theaterstück in der Lagerhalle Osnabrück


Tauschten sich im Anschluss mit einigen Zuschauer*innen aus: Maren Wilmes (Caritas), Willi Schlüter und Gabi Gaschina (v.l.)

Es ist ganz still im großen Saal der Lagerhalle in Osnabrück – rund 120 Gäste folgen gebannt der Szenerie auf der Bühne, die sich genau so zugetragen hat: Schauspieler Willi Schlüter alias Vito Fiorino nimmt das Publikum mit auf sein Schiff, die Gamar, vor Lampedusa. Gemeinsam erleben sie die Nacht des 3. Oktober 2013. Vito und seine Freunde machen einen Ausflug, als sie auf einmal menschliche Laute hören. Sie steuern ihr Boot in die Richtung, aus der die Geräusche kommen und es bietet sich ihnen ein grauenvoller Anblick: Hunderte Menschen – Frauen, Männer und auch Kinder - kämpfen im Wasser um ihr Leben. Viele sind zu schwach um nach Hilfe zu rufen, einige sind bereits tot.

„Sie konnten sich kaum mehr bewegen. Ihre Laute wurden zunehmend leiser […] Manche von ihnen verschwanden still in der Tiefe […] Direkt vor unseren Augen starben die Menschen, aber das schlimmste war, wir mussten entscheiden: Retten wir die beiden links oder die beiden rechts im Wasser…“ So heißt es in dem Stück von Antonio Umberto Ricco.

47 von rund 500 Menschen können die Freunde retten. Besonders fassungslos macht die Tatsache, dass bereits Stunden zuvor zwei Schiffe das Flüchtlingsboot gesehen haben müssen, aber nicht geholfen haben. Auch die Küstenwache weigert sich, die Menschen an Bord zu nehmen, damit Vito und seine Freunde noch mehr Leben retten können. Vito Fiorino ist nach dem Vorfall nicht mehr derselbe. Vorher wäre er durchaus bereit gewesen, für die rechte „Lega Nord“ zu stimmen – vor allem, nachdem er schlechte Erfahrungen mit einem Tunesier gemacht hatte. Doch die Nacht des 3. Oktober ändert sein Leben: Es sind Menschen, die dort sterben. Jeder mit seiner eigenen Lebensgeschichte und noch heute hat er eine tiefe Bindung zu ihnen. Jedes Jahr treffen sie sich um der Toten zu gedenken.  

Das Theaterstück wurde aufgeführt auf Initiative des Caritasverbandes für Stadt und Landkreis Osnabrück, Exil- Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge und der Outlaw gGmbH, deren Geschichte eine Auseinandersetzung mit unserer sozialen Verantwortung, unseren Werten und Widersprüchen wiederspiegelt.  

„Das Thema Seenotrettung ist immer noch brandaktuell. In Zeiten zunehmender Radikalisierung und Abschottung müssen wir die Menschen sichtbar machen, die leiden und sterben. Wir dürfen nicht zulassen, dass Seenotrettung kriminalisiert wird und dass Schiffe, die gerettete Menschen an Bord haben, Wochenlang auf dem Meer bleiben müssen, weil kein Land bereit ist, diese Menschen aufzunehmen“, so Gabi Gaschina, Bereichsleiterin der Outlaw gGmbH. "Die Frage nach unserer Werten, unserer Haltung, nach Abschottung oder Solidarität, nach schweigend zur Kenntnis nehmen oder Position beziehen, nach Zuschauen oder Handeln ist keine Frage der Vergangenheit oder von 2015 – sie ist und bleibt brandaktuell – auch heute!"