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Wir fordern die verantwortungsvolle Öffnung der Kitas in Sachsen!

Outlaw in Dresden & Leipzig vernetzt Kinder- und Jugendhilfeträger mit gemeinsamen Schreiben an Staatsminister Christian Piwarz


Ab Montag, 18. Mai 2020, öffnen die Kitas in Sachsen wieder ihre Türen für alle Kinder – so der Beschluss und die Allgemeinverfügung des Freistaates Sachsen. „Natürlich freuen wir uns, dass Eltern und Familien entlastet werden sollen. Es ist wichtig, nach den ersten Phasen der Schließung und Notbetreuung jetzt den Weg der Öffnung und Normalisierung zu beschreiten“, so Dirk Luther, Outlaw-Regionalgeschäftsführer Sachsen. „Allerdings bereiten uns einzelne Maßnahmen, Anforderungen zur Umsetzung und teilweise widersprüchliche Ausführungen große Sorgen“, ergänzt Steffen Kröner, Regionalgeschäftsführer für Halle/Leipzig. Deshalb wendet sich Outlaw mit einem Brief an Christian Piwarz, Staatsminister für Kultus im Freistaat Sachsen. Die Zusammenstellung der Inhalte erfolgte im Rahmen der Vernetzung zahlreicher Träger und Einrichtungen.

Gemeinsames Ziel der Initiative ist die Nachbesserung des vorgelegten Regelwerks zur Wiederöffnung der Kitas, Kindertagespflegestellen und Horte sowie die konzeptionelle Einbeziehung und reale Beteiligung der Freien Träger mit Personen aus der unmittelbaren Kita-Praxis an weiteren Regelwerken. „Wir alle stehen, auch kurzfristig, zum Austausch bereit“, so die beiden Regionalgeschäftsführer und erklären: „Die Abkehr von erprobten Konzepten, die bloße Öffnung aus wirtschaftlichen Gründen, ausgetragen auf dem Rücken der Familien, der Kinder und nicht zuletzt auf den Schultern der Mitarbeiter*innen in den Kindertageseinrichtungen im Freistaat Sachsen ist nicht der richtige Weg.“

Outlaw ist in Sachsen Träger von insgesamt 12 Kitas, 2 Kindertagespflegestellen, 2 Horten an Grundschulen sowie zahlreichen Projekten und Programmen im Bereich Kita&More in Dresden und Leipzig.

Alle Einrichtungen in Sachsen organisierten, koordinierten und strukturierten in der letzte Woche unter Hochdruck, wie die Öffnung jeweils realisiert werden kann: Neue Pläne für Gruppen und Gruppenräume, der Einsatz der Pädagog*innen, Tagesabläufe inklusive Ankommens- und Abholzeiten, Essenszeiten, mögliche Angebote und die Nutzung von Außenbereichen: Alles muss neu gedacht und entsprechend der Hygiene- und Abstandsvorschriften neu konzipiert werden. Ein Kraftakt für die konzeptionell, personell und räumlich völlig unterschiedlich aufgestellten Einrichtungen in ganz Sachsen. Und: Ob diese neuen Pläne wirklich praxistauglich sind, wird sich erst ab Montag, 18. Mai 2020 zeigen.

„Wir befürchten, dass die vorgeschriebenen Eingriffe und Einschränkungen nicht nur irritierend für die Kinder sein werden, sondern sie und ihre Eltern, aber auch unsere Mitarbeiter*innen überfordern werden“, erklärt Katja Hillenbrand, Bereichsleiterin Kita&More für Outlaw in Dresden. „Kinder benötigen nach so langer Zeit in häuslicher Obhut bzw. knapp neun Wochen Notbetreuung eine Eingewöhnungsphase mit besonderer Zuwendung – das können wir räumlich und personell entsprechend der Vorgaben nicht leisten. Darunter wird die erarbeitete Beziehungsgrundlage zu den Kindern leiden.“

Vor allem Häuser, die für das offene Konzept gebaut wurden, lassen sich nicht ohne gravierende Eingriffe in einen Gruppenbetreuungsbetrieb umwandeln. Dazu kommt, dass aufgrund baulicher Gegebenheiten die geforderten Ankommens-Situationen hinsichtlich des Infektionsschutzes nicht realisiert werden können: „Wir vermissen hier eine praktikable Lösung, denn der ständige Austausch von Papieren zwischen Eltern und Kita bzw. Hort erzeugt keinen erkennbaren Effekt und gibt keine zusätzliche Sicherheit für die beteiligten Personen“, so Ikorni Kröger, Bereichsleiter Kita&More für Outlaw in Leipzig. „Die Kontakte zu begrenzen und nachvollziehbar zu dokumentieren ist grundsätzlich richtig, wird aber zusätzliche Zeitressourcen binden und damit die Öffnungszeiten verringern sowie Personal, Eltern und Kinder stark belasten. So können wir die Erwartungen der Familien hinsichtlich Entlastung und Unterstützung nicht erfüllen.“

Natürlich stellt die aktuelle Situation auch für Mitarbeiter*innen eine erhebliche Belastung dar: Ständig neue Informationen und Anpassungen bedürfen gesonderter Zeit- und Kraftressourcen, die eigentlich für die rückkehrenden Kinder benötigt werden. Hinzu kommt:  Pädagog*innen, die zur Risikogruppe gehören, stehen nicht zur Verfügung, dazu der Fachkräftemangel und andere Szenarien, wie Elternzeiten, Schwangerschaften und Urlaubszeiten. „Arbeitsschutz und zumutbare Arbeitsbedingungen für unsere pädagogischen Fachkräfte sind im vorgelegten Konzept und nach der Allgemeinverfügung nicht zu gewährleisten. Das wird zu weiteren Ausfällen führen“, erklärt Steffen Kröner.

„Auch den Bereich der Finanzierung der Angebote sehen wir aktuell mit großer Skepsis“, ergänzt Dirk Luther. Die neuen Regeln erfordern mehr Personal und gleichzeitig verkürzte Betreuungszeiten. Eltern werden eine Reduzierung der festgeschriebenen Stunden in den Betreuungsverträgen erwarten. „Diese finanziellen und organisatorischen Auswirkungen des benötigten Mehrbedarfs sind bisher nicht geplant bzw. geregelt“, so Dirk Luther. „Deshalb fordern wir notwendige Anpassungen und stehen für Gespräche zur Verfügung.“  

Den kompletten Brief an Staatsminister Christian Piwarz finden Sie hier.