Gemeinsam stark: Wie eine Kita Kinder befähigt, Grenzen zu setzen

Nein sagen ist kein Trotz – es ist ein Kinderrecht. Die Outlaw-Kita Bahnhofstraße, Ostbevern, stärkt Kinder, bevor andere versuchen, sie zu schwächen. Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, das einen unbeschwerten Alltag stört und deswegen gerne aus ihm verbannt wird. Doch genau darin liegt die Gefahr. Prävention funktioniert nur, wenn man hinschaut – und zwar früh. Die Kita Bahnhofstraße hat das getan. Drei Jahre lang.

Im Rahmen der Präventionsmaßnahme „Gemeinsam stark für Kinder!“, entwickelt von der FachstelleSchutz des Caritasverbands Ahlen, Drensteinfurt und Sendenhorst e.V. und unterstützt von den Sparkassen im Kreis Warendorf, hat das Team der Kita eine Haltung verinnerlicht, die man spürt, sobald man das Gebäude betritt: Kinder sollen wissen, was sie fühlen, was sie wollen – und was nicht.

Drei Jahre Lernen, Zuhören, Mutmachen
Fortbildungen für Erzieher:innen, jährliche Elternabende, Kindertrainings für Vorschulkinder – die Maßnahme ist kein Schnellkurs, sondern ein Prozess. Ein Prozess, der wirkt.

„Wir wissen, wie wichtig es ist, dass Kinder Worte für ihre Gefühle finden“, sagt Maria Jäger, Leiterin der Kita Bahnhofstraße. „Wenn ein Kind sagen kann: ‚Ich mag das nicht‘, dann ist das ein riesiger Schritt.“ Und sie ergänzt: „Viele Erwachsene unterschätzen, wie schwer es Kindern fällt, Grenzen zu setzen. Wir üben das spielerisch – doch die Botschaft ist ernst.“

Ein Präsentationsnachmittag, der zeigte, was möglich ist
Am 27. März 2026 präsentierte die Kita, was in drei Jahren gewachsen ist. Ein Nachmittag, der nicht nur informierte, sondern berührte und viele Eltern darin ermutigte, ihre Kinder bewusst „stark zu machen“.

Schon am Vormittag hatten die Kinder „Amerikaner mit Gefühlsgesichtern“ gebacken – kleine Kuchen, die große Emotionen tragen. Am Nachmittag kamen Eltern, Geschwister und Großeltern dazu. Es duftete nach Waffeln, aber vor allem lag etwas anderes in der Luft: Stolz. Die Kinder zeigten Übungen aus ihrem Training: Wie man laut und klar „Nein“ sagt. Wie man unangenehme Situationen erkennt. Wie man Hilfe holt, ohne sich zu schämen.

„Man sieht richtig, wie die Kinder wachsen, wenn sie merken, dass ihre Grenzen zählen“, sagt eine Erzieherin. „Das ist der Moment, in dem Prävention sichtbar wird.“

Ein Rap, der bleibt – und eine Botschaft, die trägt
Für den Präsentationsnachmittag am 27. März haben die Kinder einen Rap einstudiert. Einen, der inzwischen täglich durch die Kita schallt. Einen, der zeigt, wie tief die Botschaften sitzen:

Meine Gefühle sind richtig und wichtig!
Deine Gefühle sind richtig und wichtig!
Ich sag Nein – lass das sein!
Grenzen setzen, nicht verletzen.
Ein gutes Geheimnis behalte ich für mich,
ein schlechtes Geheimnis sage ich weiter!
Ich kann helfen!
Und mir Hilfe holen!
Denn eines sag ich dir:
MEIN KÖRPER GEHÖRT MIR!

Prävention endet nicht nach drei Jahren
Einige Kinder haben ihr Training bereits abgeschlossen, andere folgen nach den Ferien. Und die Kita möchte weitermachen. „Wir haben als Team so viel gelernt“, erklärt eine der Erzieher:innen der Kita. „Es wäre falsch, jetzt aufzuhören. Das Thema gehört in unseren Alltag – dauerhaft.“

Wie alles begann – und warum es so wertvoll ist
Im Oktober 2023 startete das Projekt mit intensiven Fortbildungen. Drei Termine, gemeinsam mit einer anderen Kita aus dem Kreis. Drei Termine, die nicht nur Wissen vermittelten, sondern auch etwas anderes: Selbstreflexion.

„Diese Fortbildungen haben uns gefordert“, gesteht Maria Jäger. „Das Thema geht tief. Wir mussten uns selbst und unsere Arbeit ehrlich anschauen.“ Und sie ergänzt: „Man merkt schnell, dass Prävention nicht nur ein Konzept ist. Es ist eine Haltung. Und die beginnt bei uns Erwachsenen.“

Viele Kitas hatten sich für das Programm beworben – die Kita Bahnhofstraße bekam einen Zuschlag. Ein Glücksfall, wie das Team heute sagt. Denn das Programm ist umfassend, nachhaltig und wissenschaftlich fundiert. Es vermittelt Kindern nicht nur Wissen, sondern Selbstwirksamkeit.

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