Gerechte Zugänge für alle gestalten – kann das System Kita das schaffen? Outlaw beim Kita-Symposium in Berlin
Unter dem Titel "Gerechte Zugänge zur frühen Bildung, Betreuung und Erziehung" fand am 4. und 5. Mai 2026 in Berlin das 1. Deutsche Kita-Symposium statt. Für Outlaw nahmen Ute Jansen (pädagogische Geschäftsleitung Kita NRW), Nora Schönberg (pädagogische Geschäftsleitung Kita Berlin & Kita Sachsen) und Barbara Mag (pädagogische Leitung Kita NRW) teil. Die drei Kita-Expertinnen kamen nicht nur mit den zentralen Akteur:innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis ins Gespräch, sondern nahmen auch wichtige Erkenntnisse mit.
Im Mittelpunkt des Symposiums stand die Frage: Wie können Zugänge ins System der Kindertagesbetreuung gerechter gestaltet und bestehende Benachteiligungen wirksam abgebaut werden? Das Ziel der Veranstaltung war, zum Thema einen fachliche Austausch zwischen Entscheidungsträger:innen aller Ebenen des Kita-Systems zu fördern sowie Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren und aufzuzeigen.
Eingeladen waren alle relevanten Akteursgruppen, die für die Gestaltung von Zugängen zur Kindertagesbetreuung verantwortlich sind: Mitglieder des Bundestags und der Landtage sowie Mitarbeitende der zuständigen Ministerien, Vertreter:innen aus Kommunen und kommunalen Spitzenverbänden, Kita-Träger, Verbände und Gewerkschaften, Fachpraxis und Fachberatungen sowie Wissenschaft und Forschung.
Gleiche Chancen und Zugänge zu frühkindlicher Bildung
„Ich hätte mir mehr Vertreter:innen der Bundespolitik gewünscht. Gleichzeitig habe ich mich sehr über die Anwesenheit sowie die Impulse und Gedanken der Kommunal- und Landespolitik aus den verschiedenen Bundesländern und über die Diversität der Trägervertretungen gefreut“, zieht Nora Schönberg ein positives Fazit. „Es gab viel Raum für Dialog und Austausch. Ich hoffe, dass alle Teilnehmenden die gewonnenen Erkenntnisse in ihre Netzwerke tragen und damit Meinungen prägen sowie Entscheidungen für die nächste Generation beeinflussen.“
Damit meint die pädagogische Geschäftsleiterin vor allem die gemeinsame Verabredung: Alle Kinder müssen die gleichen Chancen und Zugänge zu frühkindlicher Bildung haben – unabhängig davon, wo sie geboren werden, wo sie aufwachsen und unter welchen sozioökonomischen oder kulturellen Bedingungen. Unser aller Ziel sollte sein, dies zu ermöglichen. Bisher gelingt das jedoch nicht überall gleichermaßen gut. Gleichzeitig haben Praxis und Wissenschaft viele wunderbare Beispiele dafür gezeigt, was möglich ist und wie es gelingen kann. Auch politisch wurde bereits vieles angestoßen und erfolgreich umgesetzt.
„Trotz dieses inspirierenden Erlebnisses und der Vergegenwärtigung all dessen, was möglich wäre, bleibt dennoch das Gefühl zurück, dass das System zu groß, zu kompliziert und zu schwerfällig ist, um wirklich das ermöglichen zu können, was Kinder und Familien brauchen – und von dem wir schon lange wissen, dass es notwendig ist“, beschreibt Nora Schönberg und zählt auf: „kontinuierliche Beziehungen, Verlässlichkeit und Beständigkeit – systemübergreifend.“
Kita als Orte der Begegnung und Gemeinschaft
Ebenso braucht es Angebote für unterschiedliche Bedarfe sowie Orte der Begegnung für alle Menschen: das „Dorf“, das es für ein gesundes Aufwachsen von Kindern braucht. Orte, die Eltern entlasten, vor Einsamkeit schützen und an denen Menschen gemeinsam und voneinander lernen sowie allein und in Gemeinschaft kompetent und stark werden können.
„Sebastian Kurtenbach hat mit seinem Vortrag meine Begeisterung für den Ansatz der „Community Center“ im Sozialraum weiter gestärkt“, unterstreicht Nora Schönberg und sie plädiert für eine Bündelung von sozialem Leben, Bildung und Begegnung auf einem gemeinsamen Campus im Stadtteil oder Dorf.
Ein folgerichtiger möglicher erster Schritt für uns als Kitaträger wäre aus Sicht von Barbara Mag, das Prinzip des Familienzentrums auch losgelöst von finanziellen Förderungen flächendeckend und für unsere Einrichtungen verpflichtend etablieren: „Zu warten, bis sich aus Richtung Politik hier etwas bewegt, wäre aufgrund der aktuellen zu beobachtenden Entwicklungen, insbesondere hinsichtlich des massiven Anstiegs aggressiver und herausfordernder Verhaltensweisen von Kita-Kindern, schon grob fahrlässig. Kinder und Familien brauchen jetzt Unterstützung und Partner:innen an der Seite, die ein offenes Ohr für ihre Bedarfe und Problemlagen haben, für Vernetzung sorgen und ein Kita nicht als separierten Mikrokosmos im Stadtteil verstehen.“
Knappe Ressourcen und geteilte Verantwortungen
Aus aktuellem Anlass ordneten die Vertretungen des Paritätischen Gesamtverbandes und ver.di die Inhalte des Referentenentwurfs zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe ein. Mit dieser Strukturreform bündelt das Bundesjugendministerium die Hilfen für Kinder mit Behinderungen aus einer Hand. In diesem Zusammenhang wurde eine sogenannte „Streichliste“ der Bundesregierung besprochen und auf mögliche Folgen insbesondere auch für den Kitabereich hingewiesen. Neben diesen Entwicklungen bremsen die föderalen Strukturen und Verantwortungsverhältnisse echte Veränderungen aus. Verantwortung ist geteilt – und verschiebt sich dadurch, je nachdem, mit wem man spricht, ein Stück hin und her. Diese Strukturen kosten Zeit und Geld. Beides ist knapp.
Die Generation der Kinder ist so klein wie nie zuvor, gleichzeitig befindet sich so viel Geld wie nie im System – und dennoch sind die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen schlechter denn je, wie Sebastian Kurtenbach berichtete. Das ist völlig inakzeptabel. Darin ist sich die Fachwelt einig. „Es gilt vielmehr die Politik zu überzeugen, dass gute Rahmenbedingungen für die frühkindliche Bildung eine Investition für die Zukunft sind“, sagt Ute Jansen und führt aus:
„Das avisierte Gesetz bringt weitreichende Folgen für die Kindertagesbetreuung mit sich. Insbesondere die stärkere Ausrichtung auf Inklusion, Beteiligung und den Schutz von Kindern erweitert den fachlichen Auftrag von Kindertageseinrichtungen deutlich. Dafür brauchen Kitas finanzielle, strukturelle wie personelle Ressourcen. Wenn Kitas künftig noch stärker als Orte früher Bildung, sozialer Teilhabe und präventiver Unterstützung verstanden werden sollen, geht das nicht zum Nulltarif.“ Das bedeutet konkret: „Ohne eine deutliche Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels, verlässliche Finanzierung und gezielte Qualifizierungsangebote besteht die Gefahr, dass die zusätzlichen Anforderungen die Einrichtungen weiter belasten“, betont Ute Jansen.
Kita-Symposium: „Wir dürfen kein Kind zurücklassen.“
Das Kita-Symposium ist eine Veranstaltung des Paritätischen Gesamtverbands, von ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V. und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, gefördert von der Auridis Stiftung in Kooperation mit weiteren Partner:innen.
Mehr Informationen gibt es hier: Rückblick auf das 1. Deutsche Kita-Symposium.
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