Kita-Bündnis NRW: "Licht und Schatten bei der KiBiz-Reform"

Das Kita-Bündnis NRW bewertet einzelne, von Familienministerin Schäffer aktuell vorgelegte Verbesserungen am Kinderbildungsgesetz als richtig. Für eine umfassende Reform brauche es aber einen echten Strukturwechsel, der Bildungsqualität sichert, Chancenungleichheiten abbaut und den Kita-Alltag spürbar entlastet.  

Das Kita-Bündnis NRW erkennt an, dass die Landesregierung auf die breite Kritik am KiBiz-Gesetzentwurf reagiert hat. „Es ist gut, dass sich bei der Reform etwas bewegt – insbesondere bei der Sprachbildung in Kitas“, sagt Marek Körner, Fröbel-Bereichsleiter West. Auch zusätzliche Mittel für Ausbildung sowie die geplante Entlastung durch Alltagshelfer*innen für alle Einrichtungen sind positive Ansätze.“

Gleichzeitig bewertet das Bündnis die kurzfristig vorgestellten Anpassungen als unzureichend und kritisiert den Zeitpunkt. Nur wenige Tage vor der Expertenanhörung im NRW-Landtag werden zentrale Änderungen vorgezogen, ohne die fachliche Bewertung abzuwarten. Vera Hopp, Geschäftsführerin des VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e. V.: „Gerade die Anhörung ist dafür da, die Kritik aus der Kita-Praxis umfassend mit einzubeziehen. Stattdessen werden jetzt isolierte Anpassungen präsentiert, bevor dieser Prozess überhaupt abgeschlossen ist.“

Kern der Kritik bleibt die geplante Aufteilung in Kern- und Randzeiten. Zwar werde die Mindestkernzeit auf 35 Stunden angehoben, doch verfehle diese Maßnahme ihr Ziel. Ute Jansen, Geschäftsleitung Kita bei Outlaw Kinder- und Jugendhilfe: „Das Problem ist nicht die Stundenzahl, sondern die künstliche Trennung von Bildung und Betreuung. Bildung findet den ganzen Tag statt – diese Aufteilung hilft uns im Kita-Alltag nicht weiter.“

Inhaltlich blieben die zentralen strukturellen Probleme aus Sicht der freien Träger somit ungelöst. Die chronische Knappheit in den Kitas – sowohl bei Personal als auch den finanziellen Mitteln – werde so nicht nachhaltig behoben. Besonders kritisch sieht das Bündnis die möglichen sozialen Folgen: Auch wenn das Modell formal freiwillig bleibe, drohe in der Praxis eine Zweiteilung, sagt Marcus Bracht, Geschäftsführer von educcare Bildungskindertagesstätten: „Vor allem strukturschwache Regionen und kleinere Träger werden die Kernzeiten mit qualifiziertem Personal kaum umsetzen können. Dort droht dann eine Verschlechterung der Bildungsqualität, die nicht akzeptabel ist.“ Zudem wurde im Bereich Inklusion bislang nicht nachgebessert: Inklusion muss deshalb verbindlich im Gesetz verankert werden – durch eine umfassende Strukturförderung für alle Kitas und ein klares Bekenntnis zur gleichberechtigten Teilhabe aller Kinder.

Auch bei den angekündigten zusätzlichen Finanzmitteln bleibe das Bündnis skeptisch, so Dr. Jürgen Reul, Geschäftsführer von kitea Kindertagesstätten. „Die Summen klingen hoch, aber es bleibt unklar, wie viel davon tatsächlich in den Kitas ankommt.“ Komplett außer Acht gelassen werde zudem weiterhin der Trägeranteil, der aus Bündnis-Sicht komplett abgeschafft werden muss, da er Träger und auch die Fachkräfte vor Ort stark belastet.

Expertenanhörung im Landtag und ver.di-Demo am 23. April
Seine zentralen Forderungen hat das Kita-Bündnis NRW in seiner Stellungnahme zum KiBiz bereits verdeutlicht und wird diese in der Expertenanhörung am 23. April im Landtag noch einmal zuspitzen.

"KiBiz bleibt Mumpitz": Unter diesem Leitsatz findet am 23. April außerdem eine ver.di-Demo in Düsseldorf statt. Auch Outlaw-Mitarbeiter:innen aus den NRW-Kitas werden vor Ort sein, gemeinsam Haltung zeigen und sich für ein novelliertes KiBiz stark machen. 

Wann: 23. April 2026, ab 9:30 Uhr
Wo: Vor dem Landtag (Landtagswiese) in Düsseldorf 

Fachpolitischer Dialog „Bildungsstart NRW: Von der Kita bis zur Schule – Qualität sichern statt trennen“
Am 29. April, 10:00 bis 13:00 Uhr, lädt das Kita-Bündnis zum fachpolitischen Dialog „Bildungsstart NRW: Von der Kita bis zur Schule – Qualität sichern statt trennen“ in das DGB-Haus in Düsseldorf ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die geplanten Reformen rund um KiBiz und ABC-Klassen die Qualität frühkindlicher Bildung beeinflussen. Vertreter:innen aus Kita-Praxis und Wissenschaft diskutieren mit den fachpolitischen Sprecher:innen der Parteien über zentrale Weichenstellungen für NRW. Mehr Informationen finden Sie hier.

Über das Kita-Bündnis NRW:
Um dem drohenden Qualitätsabbau in der frühkindlichen Bildung entgegenzutreten, haben sich freie Kita-Träger mit der GEW NRW im Kita-Bündnis NRW zusammengeschlossen. Drei Viertel aller Kitas in NRW sind freier Trägerschaft organisiert.

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