Kita-Bündnis warnt: Neue Gesetze drohen NRW-Kitas massiv zu schwächen
Mit Blick auf die KiBiz-Reform und die geplante Einführung von ABC-Klassen nimmt der öffentliche Druck auf die Landespolitik zu: Bei einem Aktionstag vor der Staatskanzlei in Düsseldorf warnten Träger und Fachkräfte eindringlich vor Änderungen, die zu weniger pädagogischer Zeit, größeren Gruppen und mehr Bürokratie in den Kitas führen werden.
Im April wird das Kita-Bündnis NRW als Experte zum Kinderbildungsgesetz (KiBiz) im Landtag gehört. Schon jetzt nutzen die im Bündnis vertretenen Träger und Fachkräfte jeden Anlass, um auf die Probleme aufmerksam zu machen und sich mit Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über die Zukunft früher Bildung in NRW auszutauschen. Für Fröbel-Bereichsleiter Marek Körner ist klar: „So wie die Gesetze derzeit geplant sind, dürfen sie nicht kommen. Jetzt ist der Moment, die Gesetze so zu überarbeiten, dass die Qualität in den Kitas nicht langfristig geschwächt wird.“
Nach Einschätzung des Kita-Bündnisses gefährden gleich mehrere Punkte der aktuellen Gesetzgebungsverfahren die Qualität frühkindlicher Bildung in NRW:
Kern- und Randzeiten: Bildung findet nicht nur fünf Stunden am Tag statt. Kinder lernen den ganzen Tag: im Spiel, im Gespräch, in Beziehungen – und auch beim Ankommen früh morgens. „Wenn Fachkräfte künftig nur noch für eine Kernzeit verbindlich eingeplant werden, entstehen pädagogische Brüche im Alltag“, erklärt Ute Jansen, Geschäftsleitung Kita bei Outlaw Kinder- und Jugendhilfe.
Größere Gruppen und unklare Förderung für Kita-Helfer:innen: „Wenn aus einer Gruppe plötzlich fast 30 Kinder werden können, bleibt für das einzelne Kind weniger Zeit. Beziehung, Förderung und individuelle Begleitung geraten dann zwangsläufig unter Druck“, sagt Sandra Krümpel, pädagogische Fachkraft bei Outlaw. „Kita-Helferinnen und -Helfer können Teams sinnvoll entlasten.“
Unsichere Finanzierung und mehr Bürokratie statt Entlastung: „Wenn Tarifsteigerungen erst viel später oder unvollständig ausgeglichen werden, geraten Träger unter Druck. Hinzu kommt ein erheblicher Eigenanteil, den nur freie Träger leisten und sogar noch höchst bürokratisch nachweisen müssen. Jede neue Belastung bedeutet weniger Zeit und Qualität für die Bildung und Betreuung der Kinder“, sagt Marcus Bracht, Geschäftsführer von educcare Bildungskindertagesstätten.
Fehlende klare Regeln für Inklusion: „Inklusion funktioniert nur mit Zeit, Personal und klaren Rahmenbedingungen. Wenn Kitas die Verantwortung tragen sollen, aber keine Unterstützung erfahren, wird Teilhabe für viele Kinder viel schwieriger“, sagt Vera Hopp, Geschäftsführerin des VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e. V.
Für das Kita-Bündnis NRW sei deshalb klar: „Gute frühe Bildung braucht stabile Rahmenbedingungen, verlässliche Finanzierung und ausreichend Fachkräfte“, so Dr. Jürgen Reul und Annette Holtmann, Geschäftsführung Kinderzentren Kunterbunt gGmbH/Villa Luna.
Über das Kita-Bündnis NRW:
Um dem drohenden Qualitätsabbau in der frühkindlichen Bildung entgegenzutreten, haben sich freie Kita-Träger mit der GEW NRW im Kita-Bündnis NRW zusammengeschlossen. Drei Viertel aller Kitas in NRW sind freier Trägerschaft organisiert.