Vorfall in Stade berührt und fordert auf
Wir sind erschüttert und zutiefst berührt von den tragischen Ereignissen in Stade. Unsere Gedanken gelten den getöteten und verletzten Mitarbeitenden der Mutter‑Kind‑Einrichtung sowie ihren Angehörigen und Kolleg:innen. Ein Ort, der Schutz und Stabilität bieten soll, wurde zum Schauplatz unfassbarer Gewalt. Dieses Ereignis trifft die gesamte Jugendhilfe‑ und Soziallandschaft an der Achillesferse ihrer Arbeit.
Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass Einrichtungen der Jugendhilfe täglich mit hochbelasteten Familiensituationen arbeiten. Sie sind Orte, an denen Konflikte sichtbar werden, an denen Schutzbedarfe erkannt werden und an denen Menschen in Krisen begleitet werden. Diese Arbeit ist anspruchsvoll, herausfordernd und gesellschaftlich relevant.
Wir möchten besonders die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen hervorheben, die tagtäglich in diesen Einrichtungen arbeiten. Sie tragen Verantwortung in Situationen, die emotional, rechtlich und menschlich hochkomplex sind. Sie begleiten Kinder, Eltern und ganze Familiensysteme – oft unter großem Druck, häufig mit wenig öffentlicher Sichtbarkeit.
Die Kolleginnen und Kollegen in Stade haben in einer extremen Ausnahmesituation mutig gehandelt. Sie haben versucht, Menschen zu schützen, zu beruhigen, zu begleiten. Ihr Einsatz verdient höchsten Respekt. Sozialpädagogische Arbeit ist nicht nur Fachlichkeit – sie ist Haltung, Mut und Menschlichkeit.
Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, Jugendhilfeeinrichtungen strukturell zu stärken: durch ausreichende Personalressourcen, durch Schutzkonzepte, durch interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Behörden und durch gesellschaftliche Anerkennung. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass selbst die bestausgestatteten Einrichtungen nicht jede Eskalation verhindern können.
Wir appellieren an Politik und Öffentlichkeit, die Arbeit der Fachkräfte nicht nur in Krisen wahrzunehmen, sondern dauerhaft zu unterstützen. Prävention, Schutz und Begleitung brauchen Zeit, Raum und professionelle Rahmenbedingungen.
Wir trauern um die Menschen, die in Stade ihr Leben verloren haben. Wir stehen solidarisch an der Seite derjenigen, die verletzt wurden – körperlich wie seelisch. Und wir stehen an der Seite aller Fachkräfte, die trotz dieser Tragödie weiter für Kinder, Jugendliche und Familien da sind.
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