Beim Theater spielen über sich hinauswachsen: Kita Mittelbruchzeile feiert "Die Bienenkönigin"-Premiere

Das Einstudieren eines Theaterstückes ist ein vielschichtiger Prozess, der alle Beteiligten unterschiedlich herausfordert. Sabine Franz, Facherzieherin für Integration an der Outlaw-Kita Mittelbruchzeile, und die ehemalige Kita-Mutter Heike Faltin sind seit Jahren ein eingespieltes Team und zaubern jedes Jahr mit Kindern der Kita Mittelbruchzeile ein kleines Theaterwunder. So auch in diesem Jahr mit dem Mini-Musical 'Die Bienenkönigin' (von Musikpädagoge Dr. Udo Zilkens), das im März seine Premiere feierte. "Über die Jahre unserer Zusammenarbeit haben wir schon viele Widrigkeiten erlebt und lassen uns somit nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen", lacht Sabine Franz und führt weiter aus: "Wir haben gegenseitig gelernt, mit immer wieder neuen Ideen umzugehen und auf Änderungen und Situationen flexibel einzugehen. Wichtig dabei ist uns, die Kinder zu begeistern, ihnen nichts überzustülpen und sie bestenfalls für eigene Ideen zu motivieren." Das Spielen fördert die Sprachkompetenz und das Körperbewusstsein der Kinder – ein Schub für das Selbstbewusstsein. Einige Kinder überraschten das Team und sich selbst. "Ein eher schüchterne Junge übernahm eine wichtige Sprechrolle und konnte seinen Text schnell auswendig. Ein anderer Junge spielte einen König und erzählte unserer kooperierenden Logopädin von der Aufführung. Er war sehr Textsicher, auch bei den anderen Rollen", freut sich Sabine Franz. Die Eltern der Fünf- bis Sechseinhalbjährigen wurden per Brief über die Teilnahme der Kinder und die Aufführungstermine informiert. Sabine Franz stand jederzeit für Fragen bereit.

Von November bis März kamen dann jeden Montag 14 Mädchen und Jungen für eine Stunde zum Ausprobieren, Einstudieren und Proben zusammen. Das Besondere bei der diesjährigen Produktion war, dass erstmals Kinder aus beiden zusammengelegten Häusern dabei gewesen sind – der Outlaw-Kita Waldshuter Zeile und Mittelbruchzeile. "Alle Kinder, die uns im Sommer verlassen werden, wurden eingeladen sich die ersten Theaterproben anzuschauen. Wir haben die Geschichte vorgelesen, Szenen vorgespielt und den Ablauf vorgestellt. Beim dritten Mal konnten die Kinder entscheiden, ob sie an der Theatergruppe teilnehmen wollen", erklärt Sabine Franz. Die Proben fanden zuerst im Mittelraum der grünen Abteilung statt, für die intensivere Probenphase ging es dann auf die Aktionsfläche der gelben Abteilung. "Wir übten die einzelnen Abschnitte in zwei Teilen, haben gesungen, den Text gesprochen und ein Abschlusslied einstudiert. Alle Lieder waren den Kindern bereits bekannt – wir haben den Melodien neue Texte verpasst. Zwischen den Proben hörten wir, wie die Kinder den Gesang selbständig übten oder schon mal die Lieder den anderen Kindern vorsangen", erzählt Sabine Franz lächelnd.

Da die Bühne und die Kostüme wichtige Bestandteile eines Theaterstückes sind, stellte das Theater-Ensemble auch gemeinsam die Elemente wie zum Beispiel Ameisen und Bienen her. "In diesem Jahr waren aufwendige Kostüme nicht so beliebt und so beschränkten wir uns auf unterschiedliche Farben der T- Shirts für Enten, Bienen und Ameisen. Die Könige trugen ihre Umhänge und Kronen mit Begeisterung und Stolz. Ein Mädchen fühlte sich in der Rolle der schlafenden Prinzessin sehr wohl", verrät Sabine Franz. 

Anfang März war es dann endlich soweit und bei der Generalprobe legten sie die letzten Änderungen fest. Am 6. März fand um 9:45 Uhr die erste Vorstellung und um 10:30 Uhr die zweite Vorstellung statt. Alle Gruppen hatten so die Möglichkeit 'Die Bienenkönigin' anzuschauen, auch viele Eltern des jungen Schauspiel-Ensembles waren im Publikum dabei – das erfreute die Kinder sehr und nahm ihnen etwas die Aufregung. Diese war am Aufführungstag verständlicherweise besonders groß und auch die einfühlsame Einstimmung auf das Ereignis durch das Regie-Team konnte sie den Kindern ein wenig nehmen. Die Kinder waren allgemein die ganze Zeit aktiv und konzentriert bei der Sache, verpassten ihre Einsätze nicht. Auch bewegungsaktive Kinder zeigten, wie sie sich punktuell konzentrieren können und dabei Spaß haben. Belohnt wurden sie alle mit tosendem Applaus. Bei dem Abschlusslied "Wenn du glücklich bist, zeige mir, wie es dir geht…" tanzte, wie geplant, auch das Publikum mit.

"Es war wieder ein erfüllendes Projekt und ich denke, wir konnten jedem Kind genug Raum bieten, sich zu entfalten", zieht Sabine Franz ein positives Fazit und erzählt weiter: "Ein Förderkind hat nur eine Vorstellung mitgemacht und gezeigt, was es kann, denn beide Vorstellungen wären zu viel und dadurch eher entmutigend gewesen. Es waren mehrere Förderkinder unter den Schauspielenden und es freut uns immer wieder zu sehen, wie sie sich auch mit sprachlichen Schwierigkeiten für die Theatergruppe begeistern können."

Ein großer Dank auch im Namen der ganzen Kita geht an Heike Faltin, die wie immer mit vielen kreativen, choreografischen und motivierenden Ideen dabei war. "Wir beide danken auch meinen Kolleg:innen der gelben Abteilung, die mir den Rücken freigehalten haben, damit ich die Proben durchführen konnte. Dankeschön auch an die Kolleg:innen, die vorbereitend mit den Kindern die Lieder eingeübt und bei der Aufführung für die nötige Ruhe gesorgt haben. Wir danken auch dem Küchenpersonal, das seine Abläufe nach den Aufführungen gerichtet hat, da diese nahe an der großen Küche lagen."

Wieder einmal zeigt sich – eine Theateraufführung ist ein vielteiliges und bereicherndes Teamprojekt. Passend weist auch jedes Jahr am 20. März der Welttag des Theaters für junges Publikum auf das Recht
von Kindern und Jugendlichen auf kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe hin.

Zurück