Gemeinsam den Weg in die Eigenständigkeit finden: Outlaw-Projekt „LebensRaum“ in Magdeburg

Ein sicheres Dach über dem Kopf ist die Basis für fast alles im Leben – doch für viele junge Menschen ist dieser Schritt in die Selbstständigkeit eine große Hürde. Seit 2023 unterstützt das Outlaw-Team des Projekts „LebensRaum“ in Magdeburg gezielt Jugendliche und junge Erwachsene dabei, den Übergang in ein eigenständig geführtes Leben erfolgreich zu meistern. Bisher wurden bereits 190 Personen in prekären Lebenssituationen begleitet. 90 von ihnen haben den „Wohnungsführerschein“, 100 wurden und werden durch eine differenzierte Fallarbeit unterstützt. „Der Wohnungsführerschein ist ein wichtiger ergänzender Bestandteil des Projekts. Unser Fokus liegt jedoch auf einer langfristigen, kleinteiligen, intensiven und rechtskreisübergreifenden Begleitung,“ erklärt Maria Schadewald, Fachbereichsleitung Hilfen zur Erziehung und Fachbereichsleitung Jugendarbeit, Bildung, Projekte. Outlaw ist Projektpartner der Landeshauptstadt Magdeburg und arbeitet eng mit dem kommunalen Streetwork-Angebot zusammen. 
 
Dr. Ingo Gottschalk, Beigeordneter für Soziales, Jugend und Gesundheit der Landeshauptstadt Magdeburg, unterstreicht die Bedeutung dieses Ansatzes: „Eigenständigkeit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie braucht stabile Grundlagen wie Wohnraum, Einkommen, Bildung und soziale Netzwerke. Damit kein junger Mensch durchs Raster fällt, sind Prävention und frühzeitige Unterstützung entscheidend, bevor Wohnungslosigkeit überhaupt entsteht. Hierfür braucht es Strukturen, die auffangen, stärken und Perspektiven eröffnen.“

Ein offenes Ohr und ein sicherer Ort: Die Anlaufstelle in der Raiffeisenstraße

Besonders geschätzt wird die offene Anlaufstelle von Outlaw in der Raiffeisenstraße. Sie ist weit mehr als nur ein Beratungsbüro: Für viele Teilnehmende ist sie ein wichtiger Schutz- und Rückzugsraum sowie ein niedrigschwelliger Treffpunkt im Stadtteil. Neben professionellen Beratungsgesprächen bietet das Angebot praktische Unterstützung, die den Alltag erleichtert. Gemeinsames Kochen, der Zugang zu Computern und Druckern sowie die Nutzung von Duschen, Waschmaschinen und einer Kleiderkammer schaffen eine vertrauensvolle Atmosphäre. Hier entstehen Kontakte und erste Schritte in Richtung einer stabilen Lebenssituation.
 
Vom „Wohnungsführerschein“ bis zum Case Management

Damit die Eigenständigkeit nachhaltig gelingt, setzt das Projektteam auf eine Kombination aus Wissen und individueller Begleitung. Wichtiger Baustein ist der sogenannte „Wohnungsführerschein“. In sieben kompakten Modulen lernen die jungen Menschen alles Wissenswerte rund um das Thema Wohnen: Von der gezielten Wohnungssuche über den Umgang mit Mietverträgen und Kosten bis hin zum respektvollen Zusammenleben in der Nachbarschaft. Ergänzt wird dieses Wissen durch ein engmaschiges Case Management. Das bedeutet: Unsere Fachkräfte entwickeln gemeinsam mit den Teilnehmenden individuelle Lösungsstrategien, setzen konkrete nächste Schritte um und stärken so langfristig die persönlichen Handlungskompetenzen.
 
Outlaw-Projektmitarbeiterin Katharina Bertram betont dabei den richtigen Zeitpunkt: „Wenn junge Menschen freiwillig bei uns ankommen und um Hilfe bitten, sind sie bereit, Dinge zu verändern. Diesen Moment müssen wir nutzen.“ Ihr Kollege Andreas John ergänzt: „Manchmal brauchen junge Menschen einen Mittler zwischen der Gesellschaft und ihrer Lebenswelt. Dabei helfen wir gern.“
 
Besonderer Fokus auf Care Leaver und soziale Sicherheit

Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die Unterstützung von jungen Menschen, die die Kinder- und Jugendhilfe verlassen – sogenannte Care Leaver – sowie denjenigen, die den Kontakt zu bestehenden Hilfesystemen verloren haben. Die Begleitung umfasst dabei alle notwendigen Schritte: Die Klärung von Leistungsansprüchen, die Beschaffung wichtiger Dokumente sowie Unterstützung bei gesundheitlichen oder finanziellen Fragen. Das Ziel ist klar: der Weg in einen sicheren und nachhaltigen Wohnraum.
 
Förderung und Ausblick
 
Das Projekt „LebensRaum“ wird im Rahmen des Programms „JUGEND STÄRKEN: Brücken in die Eigenständigkeit“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. Im Einklang mit dem Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit (NAP) wurde eine kommunale Gesamtstrategie zur Prävention und Beendigung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis zum Jahr 2030 entwickelt. Auch hier liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den Care Leavern. Ziel ist es, sie nicht in Wohnungsnot oder Wohnungslosigkeit zu entlassen und damit den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu sichern.
 

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